Weingut Knipser

Nördlich von Mannheim kreuzt die A6 den Rhein in westlicher Richtung. Schlägt man diese ein, so kann man bald die Berge des Pfälzer Waldes am Horizont entdecken. Kurz davor findet man dann das Dörfchen Laumersheim. Mit etwa 2000 Sonnenstunden im Jahr ist die Region eine der sonnigsten in Deutschland. Der Pfälzerwald wirkt wie ein Bollwerk gegen Regenwolken, die meisten bleiben schon dort hängen und regnen sich ab. So kommt es, dass die Pfalz nur etwa 500 mm Regen im Jahr abbekommt, im Vergleich dazu ist das Bordelais mit bis zu 900 mm/Jahr sehr nass. Allerdings können die Sommer in der Pfalz sehr heiß und schwül sein, was manchmal eine Prüfung für Mensch und Tier ist.

Laumersheim liegt am nördlichen Ende der Deutschen Weinstraße; entlang welcher viele gute und einige Spitzenweingüter des Anbaugebietes liegen. Zu den letzteren gehört mit Sicherheit auch das Weingut Knipser, dessen Rebflächen sich von der Freinsheimer Höhe im Süden bis an den Rand des nördlich gelegenen Nachbardorfes Dirmstein erstrecken. Der ehedem aus Meran stammende Knipser-Urvater, der letztendlich den Pfälzer Stamm der Knipsers gründete, war Johann Georg Knipser, der 1615 von Südtirol in die Rheinpfalz auswanderte. Seit 1876 sind die Knipsers in Laumersheim ansässig. Wie noch heute für die Region typisch, wurde der Hof zunächst als landwirtschaftlicher Gemischtbetrieb bewirtschaftet. Neben dem Obst- und Ackerbau wurde auch Weinbau betrieben, die Weine fassweise verkauft. 1948 begann Heinz Knipser, früher als viele seiner Kollegen, mit der Flaschenabfüllung und der Direktvermarktung. Aber es dauerte noch bis in die 1980er Jahre, bis Werner Knipser endgültig komplett auf Weinbau umstellte.

Der Aufstieg an die Weltspitze konnte beginnen. Mitte der 80er Jahre begannen Volker und Werner Knipser, die das Weingut immer noch zusammen führen, mit dem Ausbau in Barriques, gleichzeitig wurde der Rotweinanteil im Weinberg erhöht. 1993 wurden die Knipsers in den renommierten Kreis der VdP-Weingüter aufgenommen. Die Zukunft des Weingutes steht schon auf festen Füßen, denn seit 2005 ist Werners Sohn Stephan Miteigentümer des Weingutes. Auch die jüngere Schwester Sabine engagiert sich seit 2009 im Familienbetrieb, unterbrochen nur von einem Auslandsaufenthalt.

Das besondere an der Familie ist, dass sie mit einer nonchalenten Art daherkommen und es den Anschein hat, als würden sie ihre Spitzenerzeugnisse einfach so aus demèmel schütteln. Rot wie Weiß, Basis wie Premium – die Weine von Knipser werden in allen Weinführern gleichermaßen gelobt. Eine der wichtigsten Rieslinglagen ist der Dirmsteiner Mandelpfad. Dessen Herzstück ist das sogenannte Himmelrech, welches die Knipsers seit 2001 bewirtschaften. In dieser Lage dominieren mächtiger Löß und Kalk, der Hang ist südlich exponiert, sehr geschützt und hitzig. Er bringt Rieslinge mit verschwenderischer Fruchtfülle hervor, aber auch Cabernet Sauvignon und Merlot finden hier optimale Wachstumsbedingungen. Auf 56 Hektar Anbaufläche herrscht Löß vor, mit einer mehr oder weniger dicken Auflage aus Kalkmergel, die an manchen Stellen nur 20cm, an anderen mehrere Meter dick ist. Gelesen wird von Hand, die Knipsers legen außerdem Wert auf eine konsequente Ertragsreduzierung durch eine grüne Lese. Die Rotweine werden nach Bordelaiser Vorbild immer in Barriquefässern gelagert, der Spätburgunder reift in 30-50% neuen Fässern, Dornfelder und Cabernet Sauvignon in bis zu 100% neuen Fässern. Der Cuvee X wird von Eichelmann als die: perfekte Pfälzer Interpretation eines Top-Bordeaux bezeichnet.



Gerhard Eichelmann Deutschlands Weine 2020
*Werner und Volker Knipser haben Laumersheim bekannt gemacht. Für Rotwein zunächst, aber in den letzten Jahren erzeugen sie regelmäßig auch faszinierende Chardonnay, Grauburgunder und Rieslinge, die zur Spitze in der Pfalz und in Deutschland zählen. Daneben gibt es insbesondere noch Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Gewürztraminer und Silvaner. Als Spezialitäten bauen sie früher in der Pfalz und in Deutschland weit verbreitete Sorten wie Gelber Orleans oder Blauer Arbst an, die inzwischen ganz aus deutschen Weinbergen verschwunden sind. An roten Sorten gibt es neben Spätburgunder, Sankt Laurent und Dornfelder schon recht lange auch internationale Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Syrah. Seit 2005 ist auch Werner Knipsers Sohn Stephan im Betrieb tätig.

Kollektion
In der Spitze so stark wie noch nie – so das knappe Fazit über die aktuelle Kollektion der Knipsers. Aber es geht auch ausführlicher: Allen voran waren wir vom Spätburgunder aus dem Kirschgarten fasziniert, der ein tiefes, vielschichtiges Bouquet zeigt, mit Aromen von Schwarzkirsche, Hagebutte, Waldboden und sehr dezenter röstiger Würze, dann am Gaumen ebenfalls viel klare Frucht besitzt, dazu feine Frische, gute Struktur und sehr nachhaltig ist, einer der großen Spätburgunder des Jahrgangs 2017 in Deutschland. Der RdP steht ihm kaum nach, ist noch mehr auf die Reife angelegt und könnte dann den Kirschgarten sogar noch übertreffen, er zeigt ein sehr feines Bouquet, rote Früchte, Johannisbeere, Himbeere, Hagebutte, etwas Krokant und Waldboden, ist am Gaumen noch ganz jugendlich, sehr elegant und nachhaltig, der Reserve ist ebenfalls sehr komplex, zeigt neben Waldboden und Krokantwürze auch etwas mineralische Noten, Eisen, besitzt jugendliche, aber reife Tannine, ist ausgewogen und harmonisch, der Mandelpfad zeigt Sauerkirsche, kräutrige Noten und dezente röstige Würze, ist kraftvoll und lang, der Große Garten ist zunächst sehr verhalten, braucht viel Luft, zeigt dann dunkle Frucht, Schwarzkirsche, etwas Pflaume, besitzt am Gaumen, Kraft, Struktur und Konzentration, gibt aber von allen Spätburgunder noch am wenigsten preis. Auch die 2016er Syrahs sind beide faszinierend komplex und besitzen kühle, kräutrige Würze, die normale Version zeigt dunkle Frucht, Eukalyptus, etwas Gummiabrieb und Krokant im Bouquet, besitzt eine noch jugendliche Struktur, ist kraftvoll und elegant, die Reserve3, die im September 2022 in den Verkauf kommen wird, ist noch etwas verhaltener im Bouquet, zeigt feine Röstnoten und etwas Waldboden, besitzt dann am Gaumen rote und dunkle Frucht, Brombeere, pfeffrige Würze, etwas Menthol, ebenfalls noch ganz jugendliche Tannine, ist kraftvoll und sehr nachhaltig. Die beiden Basis-Spätburgunder aus 2015 zeigen klare, dunkle Kirschfrucht und feine Krokantnoten, der Kalkmergel besitzt kräutrige Würze, ist elegant und lang. Die beiden Großen Gewächse vom Riesling bewerten wir gleich, auch wenn sie sich deutlich unterscheiden, der Mandelpfad zeigt deutliche Frucht im Bouquet, Ananas, Aprikose, grünen Apfel, ist auch am Gaumen schon sehr offen und präsent, besitzt etwas Fülle und ein animierendes Säurespiel, der Steinbuckel ist dagegen noch leicht verschlossen, zeigt nur etwas kräutrige Würze, besitzt dann im Mund herbe Zitruswürze, Grapefruit, salzige Noten und ist sehr nachhaltig. Der Weißburgunder aus dem Kirschgarten zeigt klare Frucht, Birne, etwas Pfirsich, und sehr dezentes Holz, ist am Gaumen noch sehr jung, besitzt feine kräutrige Würze und ein frisches Säurespiel, vom Chardonnay konnten wir in diesem Jahr nur die 3-Sterne-Version verkosten, die ein eindringliches Bouquet zeigt, mit Noten von Pfirsich, gelbem Apfel, Zitruswürze und feinem, dezentem Holz und die im Mund eine präsente, lebendige Säure und gute Länge besitzt. Die weißen Basisweine und der Clarette sind sehr fruchtbetont, hier sticht der in diesem Jahr leicht zwiebelschalenfarbene Grauburgunder heraus, der klare Frucht, Birne, Melone, und florale und nussige Würze zeigt, leicht cremig, frisch und lang ist.*

Vinum Weinguide Deutschland 2020
*Bei Knipsers hat sich personaltechnisch einiges geändert im vergangenen Jahr. Nachdem Sven Ohlinger und Philipp Seeger ja mit Dambach nun ihr eigenes Projekt haben und nur mehr vereinzelt bei Knipser arbeiten, sorgt die neue, junge Kellermeisterin Amrei Pelzer, von Stephan Knipser über den grünen Tee gelobt, mit großem Einsatz für viel Drive im Keller. Tom Benns, zuvor Ewiigkeiten bei Bürklin-Wolf im Verkauf tätigt, kümmert sich nun verstärkt um das bis dato nicht wirklich bearbeitete Exportgeschäft. Vor allem mit Pinot Noir sieht Stephan große Chancen, sich in der ganzen Welt zu etablieren, bedenke man doch die großartige Qualitätsexplosion der vergangenen Jahre. Wir geben ihm ausdrücklich und mit Freuden recht. Die Entwicklung der Pinots bei Knipser von tigerhafter Kraft zu vibrierenden Eleganz kann nicht geleugnet werden. Insofern geht man tollen Zeiten entgegen.

Keine Probleme mit den Mengen
Der Jahrgang 2018 hat sich bei Knipser nicht in übergroßen Mengen niedergeschlagen, weil hier ohnehin sehr viel vorab selektioniert wird. >>Jede einzelne Beere kam kerngesund und mit perfekter Reife auf den Hof, insofern sind wir überaus zufrieden<<, so Stephan Knipser. Wie kaum anders zu erwarten von einem Betrieb dieses Levels, führte dies zu phantastischen Weinen. Die weißen Großen Gewächse zeigen sich keinen Deut schwächer als 2017. Ganz stark auch wieder die internationalen Rebsorten, ob als Syrah und Syrah Réserve oder als Cuvée X. Solche Weine sind eine Benchmark für die deutschen Kollegen. Ãœbrigens kommen viele der gehobenen Weine erst vier bis fünf Jahre nach der Lese in den Handel. Wir sind darin übereingekommen, sie später noch einmal zu verkosten, damit der Leser dann auch aktuelle Bewertungen hat. Um das Thema Pinot Noir nochmals kurz aufzugreifen: Der RdP (Réserve du Patron) steht naturgemäß an der Spitze einer beeindruckenden roten Armada.*

Gault & Millau Weinguide Deutschland 2020
*Ein Besuch bei Knipsers ist immer ein ganz besonderes Vergnügen, findet man dort neben dem vielleicht facettenreichsten Weinsortiment Deutschlands doch auch noch genügend andere Gründe, die dieses Erlebnis ganz besonders und unvergesslich machen. Da ist zum einen der vollkommen entspannte und absolut unprätentiöse Umgang mit der Kundschaft. Egal ob Freund oder Fremder, ob Weinkenner oder Einsteiger, jeder wird mit derselben ungekünstelten Offenheit und Heiterkeit begrüßt und gleich auch davon angesteckt. Niemals sind die vinologischen Ausführungen belehrend oder gar abgehoben, sondern immer äußerst informativ bis hin zu wirklich spannend. Jeder Wein hat seine persönliche Note und auch Anekdote. Die Dramaturgie einer solchen Weinprobe ist so hinreißend und überraschend wie ein großes Menü in einem Dreisternerestaurant. In dem enorm breit gefächerten Knipser´schen Programm gibt es keine kleinen Weine, Enttäuschungen sowieso nicht. Alle Weine sind durchgängig saftig, lebendig, harmonisch balanciert und strahlen mit viel Zug und Trinkfluss dieselbe Lebensfreude aus wie ihre sympathischen Erzeuger. Zweifelsohne sind, ganz speziell bei den großen Rotweinen, auch ernste Töne dabei, niemals aber so, dass man ins grüblerische Nachdenken verfiele, um nach dem Sinn der Geschmackskomposition zu suchen, frei nach dem Motto: Was will der Weinkünstler uns damit sagen!? Nein, die Weine bestechen allesamt durch eine große Schlüssigkeit, sie sind das, was große Weinkunst eben auch ausmacht, nämlich selbsterklärend und dadurch einprägsam. Alle Weine besitzen eine echte Eigenständigkeit, auf Augenhöhe mit dem Besten, was die Weinwelt so zu bieten hat, allerdings niemals nachahmend oder gar kopierend, sondern immer mit klarer Knipser-Kante.
Diese spürt man ganz besonders bei den Großen Gewächsen vom Riesling, ebenso wie bei den Reserve-Weinen vom Spätburgunder. Bei den beiden Letzteren stand diesmal nicht das Burgund Pate, sondern hier haben die Knipsers eine ganz eigene Stilistik mit viel Würze, seidiger Dichte und großer Tiefe entwickelt, wie es dieser anspruchsvollen und spleenigen Rebsorte nur ganz selten zu eigen ist.ènlich wie Paul und Sebastian Fürst in Bürgstadt und die Malterdinger Hubers hat Knipser-Family hier etwas geschaffen, was inzwischen Weinfreunden auf der ganzen Welt die Freudentränen in die Augen treibt.
Auch in puncto reife, besser gesagt, gut gereifte Aromatik haben die Knipsers im bundesweiten Vergleich die Nase vorn. Ihre late releases sind immer auf dem Punkt, und dies gilt ebenso für den aktuell gezeigten 2014er Riesling wie für die 2014er Reserve du Parton (RdP) vom Spätburgunder. Unvorsichtigerweise durften wir bereits den 2015er Spätburgunder RdP vorverkosten und können nur versichern, dass hier ein ganz großer Wein noch ein wenig im Keller schlummert, aber schon bald die Herzen der Spätburgunder-Aficionados noch höherschlagen lassen wird. Am allerbesten und genussreichsten sind die Knipser’schen Gewächse in der gutseigenen Gastronomie Halbstück zu verkosten, denn die bereits besungene Saftigkeit und Schlüssigkeit der Weine zeigt sich insbesondere, wenn dafür richtig aufgekocht wird. Und auch hier setzt sich die klare Knipser-Kante durch, kein modischer Schnickschnack, sondern handwerklich richtig gut zubereitete Küchenklassiker. Geschmackliche Tiefe bei hervorragender Produktqualität statt Effekthascherei mit vielen Komponenten und dekorativen Pünktchen. Weinherz, was willst du mehr?*

Falstaff Wein Guide Deutschland 2019
*Die aus Südtirol stammende Familie Knipser übersiedelte 1876 nach Laumersheim, um hier Weinbau zu treiben. Doch erst in den 1980er Jahren, als Werner Knipser mit Barrique zu arbeiten begann, kam der Durchbruch. Kein Wunder, dass die Expertise der Familie – neben Werner Knipser sind das sein Bruder Volker und sein Sohn Stefan – noch immer eine Klasse für sich ist, gerade beim Spätburgunder. Doch Werner Knipser forderte auch schon vor über zehn Jahren, dass man weiße GGs erst nach 24 Monaten in den Verkauf bringen sollte. Visionär! Heute beginnt genau das Trend zu werden.*

Gault & Millau Weinguide Deutschland 2019
*Die Knipser Brothers Volker und Werner, seit Längerem unterstützt von den Kindern Stephan und Sabine, müssen wohl im Auftrag des Herrn unterwegs gewesen sein – womit nicht die nunmehr 25-jährige Verbandszugehörigkeit beim VDP gemeint sein soll. Vielmehr müssen hier Dionysos und Bacchus gleichermaßen Pate gestanden haben, als die beiden in den 1980er Jahren Bordelaiser Reben in der Pfalz anbauten und einen legendär guten Wein daraus machten. Ihre Cuvée X, in manchen Jahren auch RX, ist schlicht und einfach Kult. Klassiker aus anderen berühmten Weinbauregionen, etwa von der Rhone oder Loire, geraten unter ihren Händen ebenfalls ausgezeichnet. Genauso verbunden fühlen sich die Knipsers aber auch jenen Rebsorten, welche die Pfälzer Geschichte erzählen, zum Beispiel dem Gelben Orleans. Kurz: Ihnen gelingt, wie durch himmlische Fügung, einfach alles. Dabei sind ihre besten, ungemein zupackenden Rieslinge ebenso eindrucksvoll wie die immens lagerfähigen Spätburgunder. Und wenn es sich hierbei um eine rare Réserve oder gar um eine noch rarere Réserve du Patron (RdP) handelt, dann gehört dies zum Allerbesten, Feinsten und Lagerfähigsten, was die deutsche Rotweinspitzenklasse momentan zu bieten hat.
Nährboden für solche Finesse ist der Kalkstein im Untergrund vom Großkarlbacher Burgweg, Laumersheimer Kirschgarten, Laumersheimer Steinbuckel und Dirmsteiner Mandelpfad. Diese Lagen sind ideal für alle Rebsorten, die vom Körper leben und von gut gepufferter Säure profitieren, heißt es bei Knipsers. Sprich für alle Rotweinsorten und die gesamte Burgunderfamilie. Zumeist stammen unsere besten Rotweine aus diesen Lagen. Aber auch die Großen Gewächse vom Riesling entwickeln hier ihre intensive Mineralität. Andere Bodenformationen wie Sand und Kies haben ebenfalls ihre Vorzüge: Jahrtausendalte Ablagerungen des Rheins prägen des Untergrund des Großkarlbacher Osterbergs und besonders des Laumersheimer Kapellenberg sind feiner und filigraner. Speziell der Riesling bringt hier Weine mit klarer Kontur und viel Finesse hervor. Genauso genussreich wie Knipsers Weine ist die Gastronomie, die sie betreiben. In Knipsers Halbstück schwelgt man in opulenter Pfälzer Küche und trinkt dazu in großen Schlucken. Das ist Lebensfreude pur!
Die Wurzeln der Familie Knipser reichen übrigens nach Südtirol. Das Meraner Bürgergeschlecht wird im 16. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Ein Gaudenz Knipser war 1573 Stad baumeister und Ratsmitglied von Meran. In diese Zeit fällt auch die Verleihung des heute noch geführten Familienwappens im Jahr 1582 durch Erzherzog Ferdinand in Innsbruck. Das Wappen auf dem Etikett ist also keine erfundene Romantik, sondern echte Geschichte. Ein Enkel des Gaudenz Knipser, Johann Georg Knipser, wanderte dann um 1615 in die Rheinpfalz aus. Seit 1876 ist die Familie in Laumersheim ansässig. Damals bewirtschaftete sie einen landwirtschaftlichen Mischbetrieb, der neben Weinbau auch Obst- und Ackerbau umfasste. Die auf dem Hof gekelterten Weine wurden, wie in der Gegend üblich, im Fass an den Weinhandel verkauft. Als einer der Ersten in der Region begann Heinz Knipser 1948 mit der Flaschenweinabfüllung und Direktvermarktung. Anfang der 1980er Jahre stellte sein Sohn Werner gänzlich auf Weinbau um. Eine Erfolgsgeschichte, deren letztes Kapitel noch lange nicht geschrieben ist.*

Gerhard Eichelmann Deutschlands Weine 2019
*Werner und Volker Knipser haben Laumersheim bekannt gemacht. Für Rotwein zunächst, aber in den letzten Jahren erzeugen sie regelmäßig auch faszinierende Chardonnay, Grauburgunder und Rieslinge, die zur Spitze in der Pfalz und in Deutschland zählen. Daneben gibt es insbesondere noch Weißburgunder, Sauvignon Blanc, Gewürztraminer und Silvaner. Als Spezialitäten bauen sie früher in der Pfalz und in Deutschland weit verbreitete Sorten wie Gelber Orleans oder Blauer Abst an, die inzwischen ganz aus deutschen Weinbergen verschwunden sind. An roten Sorten gibt es neben Spätburgunder, Sankt Laurent und Dornfelder schon recht lange auch internationale Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Syrah. Seit 2005 ist auch Werner Knipsers Sohn Stephan im Betrieb tätig.

Kollektion
Wieder einmal steht der Vier Sterne-Chardonnay an der Spitze des weißen Teils der Kollektion, er ist sehr eindringlich, zeigt viel gelbe Frucht, Pfirsich, Mango, Zitrusnoten und sehr feine Röstnoten, besitzt feinen Grip, Länge und Potenzial, kommt ja aber auch erst im September 2022 in den Verkauf. Der Drei Sterne-Chardonnay ist ähnlich, aber etwas weniger komplex, zeigt Noten von gerösteten Haselnüssen und gelber Frucht, besitzt animierende Zitruswürze und ein frisches Säurespiel. Auch das Weißburgunder Große Gewächs besitzt viel Frische und ein feines Säurespiel, zeigt kräutrige und röstige Würze und viel klare Frucht, Aprikose, Birne, bei den Großen Gewächsen vom Riesling zeigt der Mandelpfad deutliche steinig-mineralische Noten, ist ungewöhnlich straff, besitzt Zitruswürze, viel Biss und feinen Druck, der Steinbuckel zeigt etwas mehr Frucht und kräutrige Würze, besitzt gute Konzentration, Biss und Länge. Bei der weißen Basis fällt vor allem der Grauburgunder auf, er zeigt nussige und florale Würze, besitzt klare Birnenfrucht und Frische, die Cuvée aus Chardonnay und Weißburgunder ist ebenfalls leicht floral, gelbfruchtig und frisch, der Riesling vom Kapellenberg zeigt kräutrige Würze, besitzt leicht süße Pfirsichfrucht und ein frisches Säurespiel, der Sauvignon Blanc zeigt etwas gelbe Frucht und reintönige Stachelbeerwürze. Bei den Spätburgundern sind der Kirschgarten und der Im Großen Garten, die im September 2020 in den Verkauf kommen, schon sehr präsent, RdP und Reserve, die erst ab September 2021 verkauft werden, sind noch verhalten und ganz auf die Reife ausgelegt. Der Kirschgarten ist komplex, besitzt herrlich viel klare Frucht, Schwarzkirsche, Cassis, spürbare, aber sehr dezente röstige Würze, ist frisch, strukturiert und lang, der Im großen Garten zeigt ebenfalls viel rote Frucht, feine Cassisnoten, Süßkirschen, etwas Krokantwürze, ist animierend und nachhaltig. Der RdP zeigt zwar ebenfalls klare Frucht, Schwarzkirsche, ist aber noch sehr straff mit jugendlichem Tanningerüst und besitzt viel Potenzial, der Reserve ist ähnlich straff, öffnet sich nur sehr langsam über Tage hinweg, zeigt etwas kühle, rote Frucht und rauchige Noten, besitzt ebenfalls einiges an Potenzial. Die Cuvées X Und XR zeigen feine Röstnoten und klare Frucht von schwarzen Johannisbeeren, der X zeigt auch etwas Eisen und Eukalyptus im Bouquet, besitzt Kraft, noch jugendliche, aber reife Tannine und Länge, der XR besitzt noch etwas deutlichere Tannine und Potenzial, zeigt auch rauchige Noten, Mokka, Brombeere und Lakritze im komplexen Bouquet. Ganz stark und vielschichtig sind auch wieder die beiden Syrah, beide zeigen feine rote Frucht, rote Johannisbeere, etwas Kräuter- und Krokantwürze und besitzen gute Struktur, die Reserve ist noch etwas komplexer, zeigt noch deutlichere Frucht als die normale Version, ist animierend und lang. Von der roten Basis konnten wir in diesem Jahr nur den Gaudenz verkosten, er zeigt dunkle Frucht, Schwarzkirsche, Brombeere, besitzt Kraft und sehr dezentes Holz, der Clarette-Rosé zeigt viel klare, rote Frucht, Johannisbeere, Himbeere, Erdbeere, besitzt etwas florale Würze und Frische.*

Vinum Weinguide Deutschland 2019
*Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass es zwischen der Rebflächenangabe vom vorigen Jahr (56 Hektar) auf heute 78 Hektar einen großen Sprung gibt bei Knipsers. Volker Knipser klärt auf: >>Das ist natürlich nicht nur innerhalb dieses einen Jahres passiert, das zog sich über mehrere Jahre hin<<, sagt er. >>Wir haben teilweise dazugekauft, anderes gepachtet. Wenn nötig, wurde neu bepflanzt.<< Schwerpunkte bleiben Spätburgunder und Riesling, sie bilden zusammen fast die Hälfte des Rebsortenspektrums. Doch natürlich ist man hier extrem breit aufgestellt – und kann anscheinend mühelos jede noch so knifflige Nische bedienen mit diesem ganz eigenen Knipser-Geschmack. Der Rosé gerät hier nie nur >>lecker<<, er zeigt als Clarette eine klare, trockene Kante. Französische Sorten wie Viognier, Marsanne, Cabernet Sauvignon oder Syrah geraten hier zur Meisterschaft. Ist die Cuvée X schon ein großer Wurf, hinterlässt einen die nur in besonderen Jahren gemachte Cuvee XR fast sprachlos. Die Kunden von Knipsers brauchen oft Geduld. Liest man wie in den Spalten nebenan über die neuen Weine, so sind diese tatsächlich neu, aber oft noch nicht aktuell im Verkauf. Die besten Spätburgunder aus 2016 stehen erst ab September 2020 oder 2021 im Verkauf, bei den weißen Topweinen ist es nicht anders.

Lange Wartezeiten
Dafür bekommt man dann Weine, die auch gleich genossen werden können, ohne dass es sich um Babymord handeln würde, wie man das in der Weinbranche nennt. Innerbetrieblich vollzieht sich gerade ein Wandel. Werner Knipser zieht sich zunehmend aus dem aktiven Bereich zurück und übergibt Stephan endgültig die Zügel im Keller. Da die beiden bisherigen Kellermitarbeiter Sven Ohlinger und Philipp Seeger mit ihrem eigenen Weingut SOPS zugange sind, wird ab Herbst 2018 neues Personal zur Unterstützung da sein.*

Gegründet: 1876
bewirtschaftete Fläche: 78 Hektar
Auszeichnungen: VdP, Deutsches Barrique Forum
Kellermeister: Stephan Knipser und Sven Ohlinger
Besitzer: Stephan, Volker und Werner Knipser
Webseite: www.weingut-knipser.de
Anschrift: Hauptstr. 49, DE 67229 Laumersheim

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2017 Weingut Knipser - Laumersheimer Kirschgarten Spätburgunder VDP.Grosses Gewächs
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2016 Weingut Knipser - Im Großen Garten Spätburgunder VDP.Grosse Lage
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2019 Weingut Knipser - Dirmsteiner Mandelpfad Riesling Großes Gewächs
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2014 Weingut Knipser - Kalkmergel Spätburgunder
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2017 Weingut Knipser - Cuvee X
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