Château d' Yquem

Könnte es eine Eigenschaft großer Weine sein, dass sie zu Lobeshymnen Anlass geben und nicht nur aus Ehrerbietung nahezu schweigend genossene „bottled poetry“ sind?
Hierüber denkt man unwillkürlich nach, wenn man vom französischen Schriftsteller Frédéric Dard in einem zweiseitigen Vorwort u.a. liest:
„I do not call Yquem a wine because there are an infinite number of “wines” as such, but Yquem is unique. I prefer the word nectar". Nüchterner, aber nicht weniger exklusiv lautet bereits 1920 die Kennzeichnung in einer in London erschienenen Publikation: „Premier des Grands Vins de Sauternes – the premier de vins blanc du Monde“. Auch wenn die anfangs gestellte Frage hier nicht entschieden wird: Sie wird durch Château d`Yquem zugedachte, sprachschöpferisch gefasste Superlative – dem „kostbarste(n) Edelstein in der Welt des Weins“ (R.Gabriel) – diskutabel.

Bereits als 1855 die bekannte Bordeauxklassifikation im Rahmen der Weltausstellung als Nachweis dafür eingerichtet wurde, dass Frankreich das „Heimatland des Weins“ sei, ragt unter den übrigen Premiers Crus Château d`Yquem heraus, indem es allein eine eigene Kategorie bildet: Premier Grand Classé Supérieur. Die Preise, die für Weine dieses Weingutes vor 1855 bezahlt und als kumulativer Durchschnitt über einen längeren Zeitraum zur Begründung der Klassifikation herangezogen worden waren, lagen deutlich über der Preisbildung für die Klasse der Premiers Crus aus Sauternes. In diesen Zusammenhang gehört auch der nach Ausweis alter Handelspapiere exorbitante Preis von 20.000 Goldfranken für ein 900 Liter Fass Yquem. Er gilt als vierfach höher als bis dahin üblich und stellte im 19.Jahrhundert lange Zeit den höchsten Preis für einen Weißwein dar. Die Summe wurde 1859 bei einer Reise durch das Bordelais vom russischen Großfürsten und Bruder des Zaren, Konstatin, für ein Fass des Grand Vin von 1847 – zugegeben einem Jahrhundertjahrgang - gezahlt. Für den Zarenhof war im sich formierenden Nationenwettstreit und als Ausweis kultivierter Gleichrangigkeit das Beste gerade gut genug.

Ungefähr 70 Jahre vor der offiziellen Klassifikation war der damals über den Weinbau am besten informierte Amerikaner und spätere 3. Präsident der Vereinigten Staaten, Thomas Jefferson, nicht zuletzt auf seiner Besichtigungstour durch Weinbaugebiete Frankreichs und Italiens auf die Weine von Sauternes aufmerksam geworden. Er kam zu dem Schluss, dass der damalige Besitzer von Château d`Yquem, Comte Sur-Luces, den herausragenden Weißwein dieser Gegend produzierte. Auch wenn unwahrscheinlich ist, dass Jefferson 1787 bei seiner Abreise aus Frankreich Weine von Yquem mit sich geführt hat, 1790 wird er für den Präsidenten Washington und sich selbst 360 Flaschen Yquem ordern. Spätestens hiermit sollte eine weitere Nation bei offiziellen Empfängen einen großen Weißwein als Referenz kennenlernen: Sauterne...is the best white wine of France..., the best of it is made by Monsieur de Lur-Salus.

Comte Louis Amédée de Lur-Saluces, von Jefferson als verantwortlich für Yquem wahrgenommen, war seinerseits erst zwei Jahre zuvor durch Heirat und Mitgift seiner Frau Françoise Joséphine de Sauvage d’Yquem in den Besitz von Château d`Yquem gekommen. Ihre Familie (de Sauvage) war diejenige, die nachweislich seit 3 Generationen Weinbau auf Yquem betrieben und das Château von der Familie gekauft hatte, die demselben ihren Familiennamen - Eyquem - eingeschrieben hat. Dieser Name, der in der Gironde häufiger anzutreffen war und in der Schreibung Yquem Weltruhm erlangen sollte, wurde ironischerweise vom letzten männlichen Familienvorstand der „Eyquems“ aufgegeben, als er in Rechtsnachfolge den Adelstitel seines verstorbenen Vaters übernahm - de Montaigne.
Michel de Montaigne bekennt sich mit dem Namenswechsel zu einem Leben als Gelehrten, der ähnlich wie nach ihm Thomas Jefferson eine Reisebeschreibung („Reisen durch Italien, die Schweiz und Deutschland in den Jahren 1580 und 1581“) verfasste, die heute für die Sozialgeschichte des Weinkonsums von Interesse ist.

Kurz nach Montaignes Tod 1592 erwarb Jaques de Sauvage das Château. Seine Urenkelin Françoise Joséphine de Sauvage brachte Château d`Yquem als Mitgift in die Familie de Lur-Saluces ein und bestimmte zu einem guten Teil die Geschicke des Weingutes von Weltruhm. So stand der Name Lur-Saluces lange Zeit gleichberechtigt auf den Etiketten von Yquem – zumindest bis 1999. Doch bevor sich diese Familie um das Weingut verdient machte, musste Françoise Joséphine de Sauvage im Vorfeld der französischen Revolution 1787 den Tod ihres Gatten verkraften. Die erst 20jährige Witwe übernahm und führte das Weingut zu internationaler Reputation, leitete wichtige Innovationsschritte ein – 1826 den Bau eines neuen Weinkellers ein, das Lesen in mehreren Lesedurchgängen - die wiederum von Sohn und Enkel entscheidend fortgeführt wurden - etwa mit einem inzwischen 100km langen Drainagesystem. Wer denkt dabei nicht unwillkürlich an das sich heute ebenfalls im Besitz von LMVH befindliche Champagnerhaus der Witwe Cliquot, die 1805 mit 27 Jahren ihren Gatten verlor?

Besagter Konzern erwarb nach Umwandlung von Yquem in eine AG 1999 die Mehrheit am Weingut. 2004 verließ mit Alexandre Comte de Lur-Saluces nach über 200 Jahren der letzte Eigner aus der Familie Lur-Saluces, die dereinst mit einer Eisenschmiede zu Geld gekommen war, die Geschäftsführung, der Name verschwand zu diesem Zeitpunkt auch von den Etiketten Château d`Yquems.
Was mit der Familiengeschichte der Lur-Saluces begann, aber nicht mit ihr zu Ende gegangen ist, ist die Steigerung der internationalen Wertschätzung der Marke Yquem – kurz die „Yqemophilie“.
Die Rezeptionsgeschichte der Weine von Yquem lässt sich als eine Geschichte der Begehrlichkeit schreiben, die insbesondere durch die Weinraritäten des Weingutes ausgelöst wurde.
In der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober 2021 wurde eine Pretiose aus dem Jahr 1806, ausgestellt in einer fast einzigartigen Yquem-Vertikalen im Hotel Atrio de Cáceres (nördlich von Sevilla), zusammen mit 44 anderen Raritäten gestohlen. Diese Flasche ist schon deshalb einzigartig, weil der Wein in ihr aus einer Flasche umgefüllt wurde, die bei einem Unfall zerbrochen worden war. Für den dabei aufgetretenen Füllverlust wurden Swaroski-Glasperlen als Ersatz in die neue Flasche gelegt. Diese Aktion fand auf dem Weingut Yquem selbst unter der sachkundigen Aufsicht der Kellermeisterin 2010 statt. Zweifelsfrei kann diese so auffällig gekennzeichnete Flasche nicht verkauft werden. Es dürfte sich also um einen Auftragsdiebstahl handeln.

Vertikalen von einigen Jahrzehnten wurden und werden immer noch bei renommierten Auktionshäusern wie Christie´s in London versteigert – zu horrenden Preisen. So verwundert es auch nicht, dass die teuerste Flasche eines in einer Auktion versteigerten Weißweins ein Yquem von 1811 (Sammler aufgehorcht: es sollen noch 9 weitere Flaschen aus diesem Jahrgang existieren) für 117.000 Dollar 2011 an Christian Vanneque verkauft wurde. Bereits 2006 ging ein Yquem von 1787 für 100.000 Dollar an Julian LeCraw.
Ein besonderes Schmankerl veranstaltete Harry Rodenstock im September 1998 im Hotel Königshof in München. Im Verlauf einer Woche wurden 125 Jahrgänge Yquem von einem Fachpublikum und illustren Gäste verköstigt. Eine solcherart Vertikale gibt es bis dato von keinem anderen Weingut.

Bei dieser Veranstaltung wurde als Älteste eine Flasche Yquem aus dem Jahre 1784 angestellt. Es handelt sich um eine der sog. Jefferson-Flaschen mit Monogramm von Thomas Jefferson. Sie wurden unter ungeklärten Umständen aufgefunden und stehen bis heute Verdacht, Fälschungen zu sein. Selbst wenn sie Fälschungen sind, sind sie wie der oben genannte Auftragsdiebstahl der unverkäuflichen Flasche Yquem 1806 sprechender Beleg dafür, welche Begehrlichkeiten die Raritäten von Yquem nach wie vor auslösen. Die Yquemophilie lebt.
Mit mehr Nüchternheit lassen sich hingegen die Kennzahlen des Weingutes beschreiben.

103 ha sind mit 80 % Sauvignon blanc und 20 % Semillon bestanden, der Durchschnittsertrag liegt zwischen 8-10 hl/ha, so daß ein Rebstock ungefähr ein Glas Yquem liefert. Der Jungwein verbleibt 4 Jahre im Barrique, es werden im Durchschnitt pro Jahr um 70.000 Flaschen vom Grand Vin produziert und weiterhin ungefähr 10.000 Flaschen eines trockenen Weißweins namens „Y“ (gesprochen Igrec). Im Gefolge der Übernahme des Weingutes durch LVMH wird zudem ein Wein nur für Angehörige des Konzerns mit der Bezeichnung Nr. 1 (2014) bis Nr.7 (2021) abgefüllt.
Der Grand Vin und auch „Y“ werden nur in Jahren mit hinreichender Qualität produziert. So wurde der Grand Vin in den Jahren 1910, 1915, 1930, 1951, 1952, 1964, 1972, 1974, 1992, 2012 nicht erzeugt.


Besitzer: LVMH
Webseite: www.chateau-yquem.fr
Anschrift: , FR 33210 Sauternes

Artikel dieses Produzenten

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2016 Chateau d'Yquem - 0,375 l - halbe Flasche - 1er Cru Superieur Sauternes
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2019 Chateau d'Yquem - 0,375 l - halbe Flasche - 1er Cru Superieur Sauternes
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2007 Chateau d'Yquem - 0,375 l - halbe Flasche - 1er Cru Superieur Sauternes
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2014 Chateau d'Yquem - 0,375 l - halbe Flasche - 1er Cru Superieur Sauternes
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