Besuch bei Bienesto den Ulmer Imkern

17.12.2018

Feinkost

*** 4x Ulm im Advent – Bienesto Honig***

Bienesto Dass der Dezember nicht unbedingt der beste Monat ist, um einen Imker zu besuchen, merke ich schnell an diesem Morgen im Ostwind verwöhnten Ulmer Stadtteil Böfingen. Es ist kalt und es schneit. Keine einzige Biene verirrt sich bei diesen Temperaturen nach draußen. Wie ich später lernen werde, verlassen Bienen erst bei etwa 10 °C wieder ihren Bienenstock, um nach Nahrung zu suchen. Aber kneifen geht jetzt auch nicht mehr, wenigstens habe ich heute früh an die Skiunterwäsche gedacht und neugierig bin ich auch. Der Zufall wollte es, dass ich Mitte Oktober an dem kleinen Reihenhausgarten mit dem charmanten Werbeschild „Hey Honey! – Honig zu verkaufen“ vorbeikam. Nun stehe ich also wieder hier und winke Uwe Bentner und Christian Schmid, den Bienesto-Gründern, zu, mit denen ich heute eine kleine Bienen-Tour unternehmen werde. Aber wie kommen zwei junge Männer dazu, sich als Nebenjob Bienenvölker anzuschaffen? Seine Frau habe ihn auf die Idee gebracht, erzählt Uwe Bentner. Nachdem das Thema Insektensterben und besonders der Rückgang der Honigbienen mehr und mehr in den öffentlichen Fokus rückten, sei ihnen die Entscheidung für die Biene letztlich leicht gefallen. Also standen bald zwei Bienenvölker in Bentners Garten. In Christian Schmid, einem Freund seit Jugendtagen, fand er die perfekte Ergänzung, denn Schmid ist studierter Biologe. Außerdem ist er auch ein ausgewiesener Freund geflügelter Wesen, erstellt er doch im Hauptberuf Gutachten über Fledermäuse. Zusammen haben sie sich ein gewaltiges Wissen über ihre Tierchen angelesen, soviel merke ich schnell. Besonders wichtig sind ihnen ein respektvoller Umgang mit den Tieren, die artgerechte Haltung und vor allem der Verzicht auf stark invasive Praktiken, die den Verbund der Bienen stören würden. So wird auf jede Biene geachtet, wenn der Deckel wieder auf die Bienenkiste gesetzt wird. Der Winterhonig bleibt in den Waben, damit die Tiere in der mageren Zeit auf eigenen Honig zurückgreifen können, statt mit Zuckerwasser über die Runden kommen zu müssen. Die Königinnen dürfen ihren Dienst am Volk so lange verrichten, bis das Volk selbst entscheidet, dass es Zeit für sie ist abzutreten. Im unteren Teil der Box dürfen die Bienen in den Rahmen selbst ihre Waben bauen. Eine Maßnahme, die zwar den natürlichen Bautrieb der Bienen bedient, aber wie alle anderen aufgezählten Dinge dazu führt, dass die Bienen zeitweise das vergessen, was der Mensch eigentlich von ihnen will: Honig produzieren. Deshalb fällt die Ausbeute bei Bienesto geringer aus, aber im Gegenzug fühlen sich die Bienen wohler. Dafür gibt es eindeutige Anzeichen, sagt Christian Schmid. Einerseits vermehrten sich die Völker schneller und seien schneller bereit zum Schwärmen. Andererseits wären die Bienen widerstandsfähiger gegen die Varroa-Milbe, die ganzen Völkern den Garaus machen kann. Zwar sei auch bei ihren Völkern ein Befall zu beobachten, allerdings ist er mit einer Behandlung mit Oxalsäure (einem auch in der Natur vorkommenden Stoff z.B. in Klee und Rhabarber) sehr gut in Schach zu halten. Insgesamt, stellt Schmid zufrieden fest, seien ihre Völker einfach glücklich und gesund; auch wenn ihnen die eine oder andere ihrer Ideen mindestens eine hochgezogene Augenbraue beim örtlichen Imkerverein eingebracht habe.

Bienesto Bienenstock Mittlerweile haben wir den zweiten Standort auf dem Fort Michelsberg erreicht, wo ein Energieunternehmen ein Gelände mit Münsterblick zur Verfügung gestellt hat. Beste Wohnlage also und in Ulm kaum mit Gold aufzuwiegen. Im Gegenzug erhält das Unternehmen Honig, eine Win-Win Situation, denn an dem Standort hoch über der Stadt ist noch Platz für weitere Völker. Bei der Auswahl ihrer Standorte sind die beiden Gründer wählerisch. Sie wünschen sich für ihre Tiere möglichst unbelastete Nahrungsquellen, was vor allem die Vermeidung von Pestiziden und Herbiziden bedeutet. Ironischerweise sei die Stadt mittlerweile fast die sauberere Alternative, sagt Bentner, denn in der Nähe von konventionell bewirtschafteten Ackerflächen sei die Belastung sehr hoch. Deshalb sei auch geplant, Bienenvölker mitten in der Stadt anzusiedeln – eine Spielart des Urban Gardening also, eine Bewegung, die gerade in Großstädten viele Anhänger findet. Ein letzter Blick auf das Münster im Schnee und wir machen uns zum letzten Standort im Leipheimer Moos auf. Es geht hinaus Richtung Elchingen und vorbei an Schafen und einer Straußen-Farm, recht idyllisch wirkt die Winterlandschaft auf der Alb hier. Als wir aussteigen, steigt ein großer Schwarm Wildgänse lautstark schnatternd auf in den Himmel. Die Bienenkisten stehen am Ende eines Feldweges, mitten in der Natur. Weiter hinten grenzt ein Naturschutzgebiet an, nebendran ist ein Bio-Bauer tätig und auch der Straußen-Farm sei eine gesunde Natur wichtig, schließlich halten sich die Tiere ebenfalls auf den Wiesen auf. Die Pflanzenvielfalt ist fantastisch hier, schwärmt Christian Schmid. Von Februar bis November hätten die Bienen Nahrung zur Verfügung. Diese Völker hätten dermaßen viel Honig gemacht, dass sie sogar noch im Herbst etwas davon ernten mussten, um die Bienen zu entlasten. Das sei vor allem dem optimalen Nahrungsangebot zu verdanken. Beim Inspizieren der Kisten fällt mir auf, dass die Ausflugslöcher mit Maschendraht versehen sind. Dies diene als Vorsichtsmaßnahme gegen Mäuse, die sich im Winter gerne mal im warmen Bienenstock ausruhen und die Völker stören würden, sagt Uwe Bentner. Zwar sei ein normaler Rückgang der Bienen von etwa 40.000 Tieren im Sommer auf etwa 10.000 Tiere im Winter normal, aber eine Maus müsse man ja trotzdem nicht überwintern lassen. Die Bienen hängen in der kalten Jahreszeit im unteren Teil der Box in einer Traube aneinander, um sich zu wärmen. Erst wenn die Temperatur wieder über 10 °C steigt, kommt erneut Leben in das Volk.

Nun habe ich also fast zwei Stunden mit zwei Imkern verbracht, die sich für eine naturnahe, tiernahe und doch moderne Imkerei begeistern und kann mir die Frage nicht verkneifen, wie oft die beiden denn schon einen Stich abbekommen hätten. Christian Schmid lacht und erzählt schmunzelnd er habe genau acht Stiche erleiden müssen, bei Uwe seien es einige mehr gewesen. Aber die Tendenz sei fallend, je mehr sie sich mit den Völkern und der Arbeit an sich vertraut gemacht hatten. Auf das Einräuchern der Bienen, wie man das noch von früher kenne, würden sie ganz verzichten, denn die Gefahr von Feuer, die den Tieren hier suggeriert würde, löse nur Stress aus und sei ergo auch kein probates Mittel für die Herstellung von Bio –Honig. Momentan läuft bei Bienesto die Probezeit auf das Bio-Siegel, welches im nächsten Jahr dann auf den Etiketten prangen darf. Mit ihrer Arbeitsweise haben die zwei Männer den Sprung in die Zertifizierung aus dem Stand geschafft. Eigentlich sind die selbst auferlegten Qualitätsstandards sogar noch ein bisschen strenger als der offizielle Regel-Katalog.

Auf dem Weg zurück nach Ulm schwirrt mir der Kopf, denn so viele Informationen, Impulse und Eindrücke hielten die letzten beiden Stunden für mich bereit. Zwei Dinge sind nach diesem Erlebnis jedenfalls sicher: nie wieder kommt mir ein industriell hergestellter Honig aufs Brot und Skiunterwäsche rettet im Ulmer Nord-Ostwind Leben!

Der Honig von Bienesto ist ab sofort bei uns im Laden käuflich zu erwerben!

Mehr Infos zum Honig und den jungen Imkern finden Sie hier: Bienesto Honig aus Ulm

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