Ortstermin - Weingut Heid

15.07.2019

Winzer

Weingut Heid in Fellbach

Ein etwas unrühmlicher Grund führte uns an diesem ungewöhnlichen kalten Sonntag Richtung Stuttgart. The master himselfBei der VdP Verkostung in Mainz hatten das Gros der Württemberger nicht so recht überzeugen können und wir waren auf der Suche nach einem Winzer, der unser Portfolio verstärken könnte. Deshalb hatten wir einen Termin beim Weingut Heid ausgemacht, dessen Lagenweine in Mainz durchaus überzeugen konnten.
Da aber Lagenweine die Butter nicht aufs Brot bringen, aus Händlersicht betrachtet, wollten wir nun die Basis und den Mittelbau des Heid’schen Sortiments verkosten. Man sagte uns, es wäre verkaufsoffener Sonntag in Fellbach und die Mannschaft nebst dem Chef selbstverständlich vor Ort, wir sollten einfach vorbei kommen. Wenn man den Besuch jetzt nach der Anfahrt beurteilen würde, dann wäre das Weingut schnell unter „ferner liefen“ abgelegt worden. Parken in Fellbach am verkaufsoffenen Sonntag? Fehlanzeige! Also mussten die öffentlichen Verkehrsmittel herhalten. Nun fuhr der Bus aber eine Umleitung, die uns beinahe ans andere Ende von Fellbach führte. Also liefen wir im kalten, grauen und mit allerlei Verkaufsbuden gepflasterten Fellbach eine halbe Stunde in die Richtung, aus der wir gerade gekommen waren. Die Stimmung war mittelmäßig.

Am Zielort angekommen, mussten wir uns erst einmal im Traditionsbetrieb Wurstbraterei Hutt in Fellbach stärken – dieses Etablissement können wir uneingeschränkt empfehlen – ein Kleinod der Wurstkultur in Süddeutschland. Vor allem der Juniorchef im schicken Schurwollpulli überm Hemd, mit gediegener Fönfrisur und frisch gebügelter Schürze begeisterte uns! Mit vollen Bäuchen gingen wir danach das eigentliche Ziel unserer Reise an: das Weingut Heid. Trotz des kühlen Wetters waren doch einige gut gelaunte Menschen am Stand des Weingutes zu sehen, die sich allesamt unter den Heizpilzen drängten und sich am Rebensaft gütlich taten. Der Chef selbst half beim Ausschank mit. Wir meldeten uns an und kurzerhand nahm uns Markus Heid mit in den Verkostungsraum, wo wir wenigstens während der Verkostung nicht frieren mussten.

Diesmal Fellbach mit Sonne Markus Heid ist ein schlanker Mann mit Lachfalten, die man praktisch andauernd bewundern kann, denn sprechen bedeutet lächeln bei dem Vollblutwinzer aus Fellbach. Er selbst versteht sich als Weinbauer, er arbeitet voll im Betrieb mit, die Arbeitshose (definitiv oft getragen) und die „schaffigen“ Hände legen hierüber Zeugnis ab. Er fungiert gleichzeitig als Inhaber, Kellermeister und Außenbetriebsleiter und kontrolliert so alle Bereiche der Weinbereitung an vorderster Front. Sehr bald wurde uns klar: hier steht ein Perfektionist vor uns. Lesedaten, Restsüßegehalt, Säuregehalt – all dies wusste er aus dem ff zu beantworten. Markus Heid hat für alle seine Weine eine genaue Vorstellung von der Stilistik – und er kann diese auch umsetzen und erreichen. Die Kollektion ist beeindruckend konstant und stringent in der Qualität und dem Stilgefüge. Hier ist ein Profi am Werk. Die Trollinger überraschen mit leicht mandeligen Tönen in der Nase und sind am Gaumen wie zu erwarten schlank und Trollingertypisch eher einfach in der Aromatik, was aber hier nicht mit eindimensional gleichzusetzen ist. Ich muss zugeben, ich habe schon sehr lange keinen Trollinger mehr getrunken. Aber ich war positiv überrascht von der Rebsorte, die ich immer mit Opa Otto verbunden habe und die in meiner Vorstellung einen genauso langen Bart wie der Großvater aufweisen konnte. Hier kommt sie in modernerem Gewand daher. Die Rieslinge und Burgundersorten sind alle duftig und frisch, dabei leicht zu trinken. Was uns alle sehr positiv stimmte war die Tatsache, dass bei aller „Marktfreundlichkeit“ und Trinkfreude die Weine niemals ins Beliebige oder gar Belangslose abrutschten. Das ist ein Kunststück, was nur wenige in der Qualität hinbekommen.
Familie Heid
Markus Heid erzählt uns, wie genau er in 2018 auf seine Weinberge aufpasste und die Zeit der Lese gut abgepasst werden musste. Allerdings hatte er im Keller dann keine Probleme mit zu wenig Säure und konnte weitestgehend seinen „Schuh“ so durchziehen, wie von ihm gedacht. Auch die Familie Heid begann einmal ganz klein und bereits vor langer Zeit als Winzerfamilie. 1699 kam Markus‘ Vorfahr Jakob Melchisedec Heid von Heilbronn nach Fellbach um seine ersten eigenen Weinberge zu bewirtschaften. Markus Heid ist heute bereits die 10. Generation der Familie Heid in Fellbach. Nur 11 Hektar bewirtschaftet der Chef mit seinen Mitarbeitern. Die Rebstöcke stehen auf Böden aus Keuper mit teilweise sandigen Anteilen, in den tieferen Lagen auch auf Lößlehmböden. Den größten Prozentualen Anteil hat der Riesling mit 23 % dicht gefolgt vom Trollinger mit 18 %. Außerdem pflegt Markus Heid noch Sauvignon blanc, Weißburgunder, Grauburgunder, Müller-Thurgau, Lemberger, Blaufränkisch, Syrah, Pinot Meunier, Spätburgunder, Regent, Merlot, Portugieser und Dornfelder. Bei aller Liebe zur geradlinigen Stilistik, kann man im Weinberg schon von großer Vielfalt sprechen. Alle Weinberge, die sich hauptsächlich in den Lagen Fellbacher Goldberg und Lämmler befinden, werden ökologisch bewirtschaftet. Dieser Art des Arbeitens fühlt sich Markus Heid auch verpflichtet, denn bei ihm soll sich jeder einzelne Rebstock beim Gedeihen wohlfühlen.

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