Château Margaux

Château Margaux Das Château, das in der gleichnamigen Gemeindeappellation Margaux liegt, gilt als Legende unter den berühmten Châteaux des Bordelais. Das Terroir ist noch ein Quentchen besser als das der umliegenden Châteaux, die homogene Schicht aus Kieseln der Günzian Eiszeit, die der Fluss an seinem Ufer angehäuft hat, ist hier besonders dick. Einerseits bietet dies den Vorteil eines sehr guten Wasserabzuges, andererseits müssen die Reben sehr tief wurzeln, um unter der bis zu 10 Metern dicken Kiesschicht an Wasser zu kommen. Außerdem sind die Weinberge ganz leicht Richtung Fluss geneigt, was ebenfalls dazu führt, dass die Reben von Château Margaux seltener Frost erleben. Auch Hagelschläge sind sehr selten. Dieses Zusammenspielen von winzigen Teilfaktoren ergibt in der Summe ein hervorragendes Terroir.

Wie die allermeisten Luxus-Châteaux, hat auch Margaux eine bewegende Geschichte mit allerlei Hochs und Tiefs in den vergangenen Jahrhunderten erlebt. Den Anfang nahm die Geschichte im 12. Jahrhundert, in dem man die Hügelchen in den damals noch recht sumpfigen Auen der Gironde La Mothe de Margaux nannte, auf denen damals aber noch keine einzige Weinrebe wuchs. Allerdings trank man schon zu Zeiten, als Aquitanien noch zu England gehörte (1152-1453) am englischen Hof einen leichten Wein, den Claret, der aus der Gegend rund um Bordeaux stammte, der Weinbau war also schon in der Region angekommen. La Mothe gehörte über Jahrhunderte immer adeligen Häusern, der Weinbau wurde aber nie wirklich fokussiert, bis die Familie Lestonnac von 1572-1582 das gesamte Gut restrukturierte. Ganz nebenbei löste die Familie damit eine allgemeine Entwicklung im Médoc aus: vom Getreide zur Rebe. Ende des 17. Jahrhunderts hatte das Weingut eine Gesamtfläche von 265 Hektar erreicht, von denen etwa ein Drittel mit Weinreben bepflanzt war, was bis heute so geblieben ist. Auch wurde die Fläche des Weingutes seither nicht mehr geteilt und ist somit seit über 300 Jahren in seinem historischen Zustand. Mehrmals wechselte das Château Margaux seinen Besitzer, einige davon brachten maßgebliche Neuerungen in den Betrieb ein. So zum Beispiel ein gewisser Herr Berlon, der die getrennte Vinifizierung von weißen und roten Trauben anordnete. Zu dieser Zeit standen weiße und rote Sorten zusammen in einem Weinberg. Auch sollten die Trauben nicht mehr am Morgen geerntet werden, da der Morgentau den Grundwein verwässerte. Dies bildete den Beginn des modernen Weinbaus auf Margaux.

1815 wurde das Herrenhaus und verschiedene Wirtschaftsgebäude im neo-palladianischen Stil vom Architekten Louis Combes geplant und erbaut. Im schicksalshaften Jahr 1855 wurde Château Margaux in der großen Klassifikation der Bordeauxweine anlässlich der Weltausstellung in Paris den Premier Grand Cru und damit einem sehr erlesenen Kreis zugeordnet. Aber auch die Besten traf Ende des 19. Jahrhunderts die Reblauskatastrophe hart, erst nach der Pfropfung von Reben auf eine reblausresistente Unterlage, konnte die Produktion wiederaufgenommen werden. Allerdings waren die Rebstöcke zu jung, um den Grand Vin des Weingutes zu vinifizieren, deshalb wurde im Jahre 1908 der Zweitwein Pavillon Rouge de Château Margaux eingeführt. Weitere Besitzerwechsel folgten bis die Familie Ginestet es 1950 kaufte. Den engagierten Winzern war das Glück allerdings nicht hold. Die unverkäuflichen Jahrgänge `72, `73 und `74 brachten sie in eine prekäre finanzielle Situation und sie versuchten zwei Jahre lang, das Château zu verkaufen, hatten aber aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage Probleme, einen Käufer zu finden.

1977 erwarb, zum Erstaunen vieler, der griechisch-französische Geschäftsmann André Mentzelopoulos den gesamten Besitz. Der Globetrotter hatte in Pakistan sein Vermögen mit dem Import und Export von Getreide gemacht. In Frankreich kaufte er zunächst eine Kette von Einzelhandelsgeschäften, die er nach und nach ausbaute. Es ist nicht bekannt, dass einer der Besitzer vor ihm in so kurzer Zeit dermaßen viele Neuerungen und Renovierungen anstieß, wie André Mentzelopoulos. Er investierte eine ganz beträchtliche Summe in neue Drainagen, neue Bepflanzung, der Bau eines unterirdischen Fasskellers, die komplette Renovierung des denkmalgeschützten Gutshauses. Außerdem führte er die Reifung der Weine in neuen Fässern ein und engagierte Emile Peynaud, der den Pavillon Rouge wieder einführte. 1980 starb er unerwartet im Alter von 65 Jahren und konnte so die Früchte seiner Arbeit nicht mehr genießen. Seine Tochter Corinne, die vorher schon im Familienunternehmen aktiv war, übernahm nun auch die Leitung von Château Margaux. Sie ist heute die alleinige Teilhaberin des Weingutes, nachdem eine Beteiligung der Familie Agnelli im Jahre 2003 endete. Im Jahr 2015 designte Norman Foster neue Wirtschaftsgebäude, die sich architektonisch in das bestehende Ensemble einfügen sollte. Er entschied sich für einen Bau mit vielen Glaswänden und einem ziegelgedeckten Dach, dass von baumförmigen Säulen gestützt wird. Er beinhaltet eine neue Kellerei, neue Lagermöglichkeiten für Weißwein und eine Forschungs- und Entwicklungseinrichtung. Château Margaux leistet sich nach wie vor einen eigenen Küfer und diverse Handwerker, die sich ausschließlich um das Weingut kümmern. Margaux setzt auf eine sehr hohe Pflanzdichte mit 10.000 Pflanzen pro Hektar, was einen besonders sorgfältigen Grünschnitt notwendig macht. Auf den gesamten ca. 99 Hektar Rebfläche werden 10.000-15.000 Pflanzen pro Jahr ersetzt, ist ein Weinberg überaltert, wird er komplett abgeräumt und sechs Jahre lang in einen Dornröschenschlaf geschickt. Das trifft vor allem Weinberge mit Cabernet Sauvignon Rebstöcken, da diese etwas schwieriger im Alter sind. Im Keller werden Edelstahltanks und Holztanks eingesetzt, wobei das Winzerteam den Holzfässern den Vorzug gibt, da es ihnen bessere Eigenschaften bei der Weinwerdung zuschreibt. Seit 2011 kann sich jede Flasche Château Margaux über eine Banderole mit einem bestimmten Code freuen, mit dem sie authentifiziert werden kann. Das Weingut produziert neben dem Grand Vin den Pavillon rouge und blanc, sowie den Margaux du Château Margaux, den Drittwein des Weingutes.



Falstaff Magazin Oktober-November 2019:

*Der samtige Premier Grand Cru Classé aus der Appellation Margaux in der Region Médoc in Bordeaux genießt seit vielen Jahrhunderten höchstes Ansehen in aller Welt.

Die lange Geschichte von Château Margaux ist gekennzeichnet vom Streben nach Qualität und von erstaunlichem Innovationsgeist. Als La Mothe de Margaux, was übersetzt Hügel von Margaux bedeutet, im 12. Jahrhundert erstmals in den Urkunden auftaucht, ist von Rebstöcken im Médoc noch keine Rede. In der Zeit bis 1453 herrschen die Engländer in Aquitanien, und der Wein der Region Bordeaux hält als >>Claret<< Einzug auf den Tafeln der wohlhabenden Briten. Auf Margaux sollte es noch bis 1572 dauern, bis unter Pierre de Lestonnac die Getreidefelder in Weinberge verwandelt wurden. Ende des 17. Jahrhunderts verfügte Château Margaux über eine Fläche von 265 Hektar, rund ein Drittel dieses Lands war mit Reben bedeckt – und so ist es bis heute. Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die weißen und roten Trauben erstmals separat vinifiziert, damals keine Selbstverständlichkeit, zumal auch in den Weingärten Rot und Weiß gemischt gepflanzt wurden. Dank vieler Schritte gewann der Wein von Château Margaux zusehend an Reputation, der Wein wird regelmäßig in London gehandelt, 1771 taucht Margaux erstmals im Auktionskatalog von Christie's auf. Bald galt Margaux als einer der gesuchtesten Weine aus Bordeaux, auch Thomas Jefferson bestellte ihn 1784 für seinen Keller. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte der damalige Eigentümer Joseph de Fumel bereits erkannt, dass die schottrigen Böden die wertvollsten Trauben bringen, doch bald darauf setzte die Französische Revolution dem ersten Goldenen Zeitalter Bordeaux ein grausames Ende. Élie du Barry, der Seigneur von Margaux, erfuhr den jakobinschen Terror durch das Schafott am eigenen Hals.

SCHLOSS FàœR DEN EDLEN TROPFEN

Bertrand Douat – ein Baske, der es in Spanien zu einem Vermögen und dem Titel Marqués de la Colonilla gebracht hatte – erwarb am Beginn des 19. Jahrhundert das Anwesen. Er lebte in Paris und hatte für Wein wenig übrig, ihm ging es lediglich darum, damit seinen sozialen Status zu festigen. Doch es war La Colonilla, der den Prachtbau des heutigen Schlosses errichten ließ, zu dem 1810 der Grundstein gelegt wurde. Der Bordelaiser Stararchitekt Louis Combes entschied sich für einen neopalladianischen Stil – Andrea Palladio war einer der bedeutendsten Architekten der Renaissance -, aber er plante auch die Wirtschaftsgebäude und Weinkellerei zu beiden Seiten des aristokratischen Hauptbaus, wie wir sie heute kennne. 1830 erwarb Alexandre Aguado das Château und war damit der erste Bankier, der im Médoc investierte. Er verstarb 1842, noch bevor die Bankiers Isaac und Émile Péreire Château Palmer gleich gegenüber erwarben; Baron Nathaniel de Rothschild kaufte im Jahr 1853 Mouton, und Baron James de Rothschild sicherte sich Lafite anno 1868. Im Lassement von 1855 wird Château Margaux gleich hinter Lafite als einer der vier Premiers Grands Crus de Médoc eingestuft. 1879 übernahm Graf Pillet-Will das Château in einer sehr schwierigen Phase. Oidium und Reblaus bedrohten die Weinberge in ihrer Existenz, doch der neue Besitzer konnte auf ein tolles Team in Weingarten und Keller setzen. Ab 1896 wurde der Betrieb vom fähigen Pierre Moreau gemanagt, und dieser setzte Marcellus Grangerou als Kellermeister ein, dessen Sohn Marcel diese Funktion bei Château Margaux ebenso einnahm wie sein Enkel Jean. Es war auch Pierre Moreau, der 1908 den Pavillon Rouge du Château Margaux als Zweitwein ersann und 1924 die ausschließliche Abfüllung des Weins direkt am Weingut einführte – eine Vorgangsweise, die erst ab dem Jahrgang 1972 in ganz Bordeaux zur Verpflichtung wurde. 1950 übernahm die Bordelaiser Weinhandelsfamilie Ginestet das Château, doch die Rezession, ausgelöst durch die à–lkrise und die nahezu unverkäuflichen Jahrgänge Anfang der Siebzigerjahre, zwang die Ginestets dazu, sich schweren Herzens wieder vom Château Margaux zu trennen, um ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden nachkommen zu können. Nach zwei Jahren Suche war 1977 in der Person von André Mentzelopoulos der neue Herr von Château Margaux gefunden. Vielleicht waren es ja die vier stattlichen Säulen im ionischen Stil, die das Portal des Schlosses schmücken, die den griechischen, 1015 in Patras geborenen Unternehmer zum Kauf bewogen, und bereits im Jahrgang 1978 zeigte ihm der Rebberg, dass er eine richtige Entscheidung getroffen hatte. Eine neue à„ra hatte begonnen.

FRISCHER WIND AUF MARGAUX

Nach dem Ableben von André Mentzelopoulos folgte im Jahr 1980 seine Tochter Corinne auf den Platz an der Spitze des Weinguts nach. Der Sprung ins kalte Wasser des Weinbusiness wurde ihr durch ein exzellentes Team erleichtert: Der Betrieb wurde in ihren ersten Jahren noch vom sehr erfahrenen Philippe Barré geleitet, dieser wurde vom legendären à–nologen Émile Peynaud unterstützt. Im Jahr 1983 begann ein sehr talentierter junger Weinfachmann namens Paul Pontallier seine Karriere auf Château Margaux, das er in den folgenden Jahrzehnten in seiner Qualitätsentwicklung entscheidend prägen sollte. Er übernahm 1990 die Geschäftsführung von Philippe Barré und konnte an der Seite von Eigentümerin Corinne Mentzelopoulos in seiner Schaffenszeit nachhaltige Verbesserungen in der Produktion und Weinqualität umsetzen. Der überaus beliebte Weinfachmann, der als einer der maßgebenden Gestalter im Bordelais galt, erlag 2016 im 59. Lebensjahr einer schweren Krebserkrankung. Während seiner Zeit auf Château Margaux hat er nicht nur die Arbeit seiner hoch angesehenen Vorgänger erfolgreich fortgeführt, er hat sein Wissen auch an zahlreiche junge Wein-Talente weitergegeben. So konnte der heutige Managing Director Philippe Bascaules, der 1990 zum Team stieß, ebenso von der Expertise Pontalliers profitieren wie Sébastien Vergne, der seit 2016 als Estate Director auf Château Margaux arbeitet. Seit 2012 wird Corinne Mentzelopoulos von ihrer Tochter Alexandra unterstützt, die von London aus das Team als Deputy Managing Director unterstützt. In den letzten Jahren wurde auf Château Margaux umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt, die im Neubau eines Kellerteils mit Traubenübernahme durch das Büro des Star-Architekten Sir Norman Foster mündeten, der mit sehr viel Fingerspitzengefühl an das Projekt heranging. Der neue Keller wurde anlässlich der Vinexpo 2015 mit einem Gala-Abend festlich aus der Taufe gehoben. Neu eingerichtet wurde auch eine sehenswerte unterirdische Vinothek von 70 Metern Länge, dir rund 200.000 Flaschen aufnimmt – der älteste aktuell gelagerte Wein stammt aus dem Jahr 1848.

DIE GENUSS-TRILOGIE IN ROT-WEISS

Der Pavillon Blanc du Château Margaux blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits im 19. Jahrhundert, als man mit der Praxis brach, weiße und rote Trauben gemeinsam zu verarbeiten, wurde auf Margaux ein Weißwein abgefüllt, der als Château Margaux Vin de Sauvignon angeboten wurde. Seit dem Jahr 1920 trägt er seinen heutigen Namen. Rund 11 Hektar mit Sauvignon Blanc stehen zur Verfügung. In den letzten Jahren wurde, beginnend mit 2009, stark an der Qualitätsschraube gedreht, heute wird nur mehr ein Drittel der Erntemenge für den Pavillon Blanc verwendet, der Rest ausselektioniert. Mit dem neuen Chais konnte ein neuerlicher Qualitätsschritt gemacht werden. Von diesen 100-Prozent-Sauvignon-Blanc-Wein werden nur rund 1000 Kisten angeboten, ein erheblicher Teil des Weißweins wird auf Magnums gefüllt. Der Pavillon Rouge du Château Margaux wurde erstmals 1908 gefüllt, dank rigoroser Verbesserungen ist die Qualität heute auf einem Niveau, das sich mit den meisten Grands Vins im Médoc locker messen kann. Neben dem Pavillon Rouge wird auch noch der rote Drittwein namens Margaux du Château Margaux erzeugt. Der Grand Vin wird aus den besten Cabernet-Sauvignon-Trauben komponiert, die das Weingut zu bieten hat, dazu gesellen sich ein kleinerer Anteil von Merlot, Cabernet Franc und ein paar Tropfen Petit Verdot – das Verhältnis hängt vom jeweiligen Jahresverlauf ab. Eine Besonderheit dieses Weins sind seine zwar präsenten, aber nach einer gewissen Reifedauer immer seidenweich wirkenden Tannine, die als margaux-typisch gelten. Bei allem Charme und der Eleganz, die diese Weine auszeichnen, stecken im Margaux große Komplexität und Substanz. Der Wein verfügt über eine erwiesene Fähigkeit, sehr lange zu reifen: ein weiteres untrügliches Zeichen für die Exzellenz seines Terroirs. Manche Autoren haben den Stil von Chateau Margaux als >>feminin<< bezeichnet, ein aus heutiger Sicht irreführender Begriff. Wenn man heute einen großen, reifen Jahrgang von Château Margaux wie den 1990er im Glas hat, dann versteht man intuitiv, warum diesem Wein von Weinkennern eine derartige Verehrung zuteil wird. Die Liste der herausragenden Jahrgänge ist sehr lang, bei Legenden wie 1900, 1928 oder 1953 braucht es auch das entsprechende Flaschenglück. Zu den großen Weinen, die heute ihre volle Trinkreife zeigen, zählen 1982, 1983, 1990 und 1996. Weine wie 200, 2005, 2009 und 2010 haben noch viel Zeit vor sich, die man ihnen auch gönnen sollte. Die tolle Serie der letzten Jahre mit einem 2015 als Superstar wird noch Jahrzehnte ruhen, bevor auch diese Kreszenzen ihr volles Potenzial entfalten, und sicherstellen, dass auch neue Generationen von Bordeaux-Liebhabern dieses Ausnahme-Gewächs zu schätzen wissen werden.*

Gegründet: im eigentliche Sinne ab dem 16- Jahrhundert
bewirtschaftete Fläche: rund 100 ha
Auszeichnungen: UGCB
Kellermeister: Philippe Berrier
Besitzer: Familie Mentzelopoulos
Webseite: www.chateau-margaux.com
Anschrift: , FR 33460 Margaux

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