Louis Roederer Champagne

Die sagenumwobene Champagne ist traditionell das Land der großen Champagnerhäuser. Die Trauben oder der Most werden von den Häusern eingekauft, häufig von Winzern, mit denen langjährige Geschäftsbeziehungen bestehen. Diese ganz gängige Praxis birgt allerdings auch das Risiko eines Qualitätsverlustes, da nicht alle Produktionsschritte der eigenen Kontrolle unterliegen. Außerdem können die Parzellen natürlich auch verkauft werden, dann muss das Haus sich mit der Beschaffungsfrage auseinandersetzen. Neben den Champagnerhäusern, die meist zu größeren Konzernen gehören, gibt es auch einige wenige große Häuser, wie zum Beispiel Bollinger, Ruinart oder Duval Leroy, die noch in Familienbesitz sind. Diese Häuser legen einen größeren Wert auf den Ankauf eigener Parzellen. Auch Louis Roederer Champagne gehört zu diesem exklusiven Zirkel. 1776 wurde das Champagnerhaus von Vater und Sohn Dubois in Reims gegründet.

Louis Roederer war deren Erben und übernahm 1833 die Führung im Unternehmen. Er ging mit einer für damalige Verhältnisse sehr progressiven Art an die Sache heran. Es störte ihn, dass er nicht über alle Produktionsschritte Bescheid wusste und fing demzufolge an, Weinberge in von ihm gewünschten Lagen anzukaufen. So kamen die ersten 100 Hektar eigene Parzellen zusammen. In den 1920er Jahren baute Léon Olry-Roederer das Haus nach dem ersten Weltkrieg wieder auf und schuf, aus dem Wunsch heraus einen ausgewogenen Champagner zu kreieren, den Brut Premier, der heute immer noch die Basislinie von Roederer darstellt. Er starb 1933 und seine Witwe Camille führte die Geschäfte weiter. Sie schaffte es, wieder Gewinne einzufahren und das Haus wettbewerbsfähig zu machen.

Heute führt ihr Urenkel Jean-Claude Rouzaud in der 7. Generation das Haus Roederer, das sich damit immer noch in Familienbesitz befindet. Der gezielte Ankauf von Weinbergen um bestimmte Weineigenschaften hervorzubringen, gehört nach wie vor zur Firmenphilosophie. Im Jahr 2013 maß die Rebfläche 240 Hektar mit über 400 Parzellen in Grands oder Premier Cru Lagen in den Reimser Bergen, der Côte de Blancs und im Marne-Tal. Die Winzer von Louis Roederer pflegen ihre Weinberge zunehmend biologisch oder gar biodynamisch, was für neue Geschmacksnuancen sorgt.

Roederer bewirtschaftet vier verschiedene Domaines, wie die Parzellen im Firmenjargon genannt werden, die ähnliche Terroireigenschaften aufweisen. Da wäre die Domaine Blanc de Blancs um Avize, deren Weinberge intensive, reichhaltige und aromatische Weine hervorbringen. Die Domaine Vintage in Verzenay, aus deren Pinot Noir –Trauben sich straffe Weine mit einer salzigen Frische und Mineralität keltern lassen, die Domaine Rosé Vintage, deren Weinberge sehr sonnig liegen, so das der Pinot Noir einen sehr reifen, intensiven, fruchtigen und vollen Charakter aufweist. Zu guter Letzt die Domaine Cristal, deren Parzellen in den Gemeinden Verzenay, Verzy, Beaumont-sur-Vesle, Aÿ, Mareuil-sur-Aÿ, Avize, Cramant und Mesnil-sur-Oger verteilt sind. Dieses Terroir schafft feine, edle und präzise Weine. Die ersten Früchte der Weinstöcke werden vom Produktionsteam gekostet, analysiert und klassifiziert. Nach der Lese werden die Trauben direkt vor Ort gekeltert, der Most wird in die Kellerei in Reims gebracht, wo er parzellenweise in 450 kleinen Edelstahltanks vergoren wird.

Die Flaschenfüllung erfolgt im darauffolgenden Frühjahr, in der Flasche findet innerhalb von drei bis sechs Wochen die zweite Gärung statt. Der Hefepfropf wird manuell in Rüttelpulten oder maschinell in Rüttelkäfigen in den Flaschenhals befördert. Nach dem Degorgieren, also dem entfernen eben dieses Hefepfropfes, wird der Versandlikör hinzugefügt – die Exportdosage. Der besteht bei Roederer aus einer Cuvée verschiedener hauseigener Jahrgänge und gibt den Champagnern ihren ganz eigenen Geschmack. Danach schlummert der fertige Champagner in den Kellern seiner Vollendung entgegen.

Louis Roederer bezieht etwa 70% der Trauben aus seinen eigenen Weinbergen, das ist ein außergewöhnlich hoher Prozentsatz. Alle Jahrgangsprodukte werden außerdem ausschließlich aus Weinen eigener Weinberge gekeltert.



Revue de Vins de France

"Auch wenn das Haus Roederer 1776 von den Herren Dubois und Schreider gegründet wurde, gab ihm Louis Roederer 1833 seinen Namen, als er das Unternehmen erbte. In ein paar Jahrzehnten wurden die Champagner des Hauses in aller Welt und vor allem in Russland bekannt. Mit seinem Tod im Jahr 1870 übernahm sein Sohn Louis II die Unternehmensleitung, um das Haus weiterzuentwickeln und aus ihm eines der bedeutendsten Champagnerhäuser zu machen. 1873 werden von 2,5 Millionen in der ganzen Welt verkauften Flaschen um die 670.000 nach Russland geliefert.

Als großer Liebhaber der Weine des Hauses Roederer bestellte Zar Alexander III eine besondere Cuvée. Diese wird in einer weißen Kristallflasche mit flachem Boden und umhüllt mit den herrschaftlichen Wappen des Zaren präsentiert. So wurde die berühmte Cuvée Cristal von Roederer geboren. Sie wird ausschließlich aus dem Weinberg des Hauses und einzig und allein aus den großen Jahren gewonnen.

Seither ist das Unternehmen ununterbrochen in Familienbesitz. Seit 1974 und durch Jean-Claude Rouzaud, der ehemaligen Führungspersönlichkeit, vorangetrieben, erscheint auch der Rosé im Sortiment. Eine extrem vertrauliche Produktion von weniger als 30.000 Flaschen, die seit 2000 in einer Parzelle des Pinot Noir in Aÿ erzeugt und biologisch-dynamisch angebaut wird. Champagner Louis Roederer verfügen über 214 Hektar eigene Weinberge [...].

Von den 214 Hektar sind 127 Hektar als Grand Cru eingestuft. Aber unter Berücksichtigung der Erneuerung der Parzellen und einem Mindestalters von 10 Jahren, die eine Weinrebe braucht, um den großen Wein des Hauses zu produzieren, sind es letztendlich nur 100 Hektar, die dazu dienen, den Cristal zu erzeugen. Das außergewöhnliche Gebiet des Grand Cru verteilt sich auf die drei Hauptzonen: Die Montagne de Reims, wo Roederer über zwei Sektoren bei Verzenay und Bouleuse verfügt und Bepflanzungen mit dem Pinot Noir in einer eher kälteren Lage. Hingegen besitzt das Haus im Vallée de la Marne bei Aÿ einen sehr schönen Weinberg, der ein natürliches Tal bildet. Hier werden auf 9 Hektar Pinot Noirs bio-dynamisch angebaut, um in die Komposition des Cristal Rosé zu fließen. Die großen Pinots Noirs aus diesem Gebiet verleihen diesem Champagner Weinigkeit und seinen vollen und abgerundeten Geschmack. Schließlich ist Roederer auch an der Côte des Blancs in Avize vertreten, wo der Chardonnay angebaut wird. Der Letztere verleiht dem Wein seine Struktur und Mineralität. Heute ist Roederer das erste große Champagnerhaus, das in diesem Umfang eine bio-dynamische Landwirtschaft betreibt. [...]"

Quelle: La Revue du Vin de France; 11/09, S. 48 ff
Gerhard Eichelmann Champagne 456
*Dubois Père & Fils war der ursprüngliche Name des Hauses, das 1776 in Reims gegründet wurde. Die Gründer verkauften es später an Nicolas Schreider, dessen Neffe Louis Roederer das Haus im Jahr 1833 erbte und den Namen in Champagne Louis Roederer änderte. Das Haus ist immer noch im Besitz seiner Nachkommen und wird seit 2006 von Frédéric Rouzaud geleitet, Jean-Baptiste Lécaillon ist seit 1999 Chef de Caves. Die Familie besitzt auch mehrere Weingüter in Bordeaux: Château Haut-Beauséjour und Château de Pez in Saint-Estèphe, Château Bernadotte in Haut-Médoc und Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande in Pauillac, sowie Roederer Estate in Kalifornien, Domaines Ott in der Provence, Maison Delas an der Rhône, das Portweinhaus Ramos-Pinto und seit 1993 auch Champagne Deutz. Louis Roederer hatte 1845 15 Hektar Weinberge in Verzenay erworben, und die Strategie bestand seither darin, sich auf Premier Cru- und Grand Cru-Weinberge im Département Marne zu konzentrieren. Heute besitzt Champagne Louis Roederer 244 Hektar Weinberge, die sich auf über 400 Parzellen verteilen, wobei der Schwerpunkt auf Pinot Noir liegt. Seit dem Jahr 2000 wird mit biologischem und biodynamischem Weinbau experimentiert. Mehr als die Hälfte der Weinberge wird heute biologisch und teils biodynamisch bewirtschaftet, zertifiziert. Die Weine werden parzellenweise vinifiziert. Sie werden teils in Edelstahl und teils in 60 Hektoliter-Fässern ausgebaut. Früher wurde keine malolaktische Gärung durchgeführt, nur in schwierigen Jahren wie 2001, heute wird sie manchmal ganz, meist teilweise durchgeführt. Die Reserveweine werden in Eichenfässern gelagert, ebenso wie der liquer de tirage.
Die Stilistik
Die Champagner von Roederer haben in den letzten zwei Jahrzehnten an Präzision und Komplexität gewonnen. Die große Stärke des Hauses ist der Non Vintage-Champagner, der lange Zeit den Namen Brut Premier trug, nun aber Collection heißt und eine fortlaufende Zahl trägt, der sich ständig verbessert hat und sehr zuverlässig ist. Meine leichte Präferenz unter den Jahrgangschampagnern gilt dieses Mal dem Blanc de Blancs aus dem Jahrgangs 2014, der ganz aus Avize stammt, herrlich reintönig, intensiv und konzentriert ist, feine kalkige und mineralische Noten im Bouquet zeigt, sehr reintönig und präzise im Mund ist, viel Grip, Länge und Nachhall besitzt. Der Vintage zeigt seit sehr vielen Jahren eine erstaunliche Konstanz, zeigt gute Konzentration, rauchige Noten und reife Frucht, besitzt Fülle und Substanz, Frucht und Grip, Komplexität und Frische, der 2014er ist ein wenig druckvoller und würziger als der 2013er. Auch beim Cristal sind zuletzt die Qualitätsunterschiede von Jahrgang zu Jahrgang sehr gering, was aber auch daran liegt, dass die pro Jahr erzeugte Menge stark variiert, in etwas problematischeren Jahren gibt es weniger Flaschen Cristal. Der Anteil der im Holz ausgebauten Weine wurde in den letzten Jahren erhöht, beträgt seit dem Jahrgang 2012 ein knappes Drittel, die Dosage wurde ein klein wenig reduziert, liegt bei etwa 7 bis 8 Gramm. Der 2013er ist wunderschön intensiv im Bouquet, zeigt rauchige Noten, ein wenig Brioche, ist harmonisch, elegant, komplex, lang und nachhaltig, besitzt viel Frische. Der 2014er ist etwas stoffiger, kompakter, nicht ganz so faszinierend im Bouquet, besitzt Substanz, Kraft und Struktur, wird sich sicherlich hervorragend entwickeln. Der Rosé präsentiert sich 2015 in Bestform, zeit feine Reife, rauchige Noten, ein wenig Brioche, ist füllig, komplex und lang. Eleganz kennzeichnet auch den Rosé Nature, der etwas griffiger ist, wunderschön komplex, harmonisch und lang.
Die Champagner
Das Sortiment besteht aus einem Non Vintage-Champagner, Collection genannt (40% Pinot Noir, 40% Chardonnay, 20% Meunier, etwa ein Drittel mit malolaktischer Gärung, ein Drittel Reserveweine aus 2012 begonnener réserve perpétuelle, mit mehr Dosage als Carte Blanche Extra-Dry, Demi-Sec oder Sec). Alle anderen Champagner sind Jahrgangschampagner: Blanc de Blancs Millésimé (Chardonnay aus Avize, keine malolaktische Gärung, weniger Druck, etwa ein Viertel im Holz ausgebaut), Vintage (70% Pinot Noir aus Verzenay und Verzy, 30% Chardonnay aus Chouilly Mont-Aigu, ein Viertel im Holz ausgebaut, teilweise malolaktische Gärung; 2019 und 2020 wird der Vintage ein reinsortiger Pinot Noir sein), Rosé Millésimé (etwa ein Drittel Pinot Noir aus Cumières, vinifiziert als Rosé de Saignée mit 5 bis 8 Tagen Maischestandzeit, ein Drittel Chardonnay aus dem nördlichen Teil von Chouilly, ein kleiner Teil im Holz ausgebaut, etwa 30% mit malolaktischer Gärung) und Philppe Stark Brut Nature Millésimé (zwei Drittel Pinot Noir, ein Drittel Meunier, aus Cumières, im Eichenfass vergoren, der Anteil an fassgereiftem Wein wurde seit dem ersten Jahrgang 2006 reduziert; heute ist auch etwas Chardonnay enthalten, keine malolaktische Gärung). Mit dem Jahrgang 2012 wurde der Philippe Stark Rosé Brut Nature Millésimé eingeführt. Die Spitzencuvée Cristal wurde 1876 auf Wunsch von Zar Alexander II. kreiert und gilt als die erste Prestigecuvée der Champagne. Sie besteht aus 50 bis 60% Pinot Noir und 40 bis 50% Chardonnay (nur 1988 und 1993 enthielt sie mehr Chardonnay als Pinot Noir), etwa ein Drittel des Weines wird im Holz ausgebaut; der Cristal Rosé ist ein rosé d´assemblage. Im Jahr 2021 wurden zwei Coteaux Champenois des Jahrgangs 2018 in der neuen Linie „Hommage à Camille“ lanciert, ein Blanc von Les Volibarts in Le Mesnil-sur-Oger und ein Rouge von Charmont in Mareuil-sur-Aÿ.*

Gegründet: 1776
bewirtschaftete Fläche: 240 ha
Kellermeister: Jean-Baptiste Lécaillon
Besitzer: Fam. Roederer
Webseite: www.champagne-roederer.com
Anschrift: 21, boulevard lundy, FR 51053 Reims

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