Weingut Rainer Schnaitmann

Weingut Rainer Schnaitmann Das beschauliche Städtchen Fellbach im Remstal beherbergt einige der besten Weingüter des Anbaugebietes Württemberg. Im Remstal war es auch, wo sich ab den 1960er Jahren
vereinzelt Winzer von den einflussreichen Genossenschaften lossagten und ihr eigenes Süppchen zu kochen. Ab den 1980er Jahren lag Veränderung in der Luft. Beispielsweise gründeten die damaligen jungen Wilden aus Württemberg, die Gruppe HADES, die sich mit der Reifung in Barriquefässern befasste, die zu dieser Zeit in Württemberg noch geradezu verpönt war. In diesem Jahrzehnt stellten sich auch die Weichen der Familie Schnaitmann, die schon seit 19 (belegten) Generationen in Fellbach als Bürger und Weingärtner tätig war.
Der junge Rainer Schnaitmann, damals noch Architekturstudent, entdeckte seine Liebe zum Wein. Er schloss seine Lehre und ein Studium in Geisenheim erfolgreich ab, um sich fortan den 3 Hektar Weinbergen, die er vom Vater gepachtet hatte, zu widmen. Aber nicht nur im heimischen Betrieb lernte er das Handwerk praktisch kennen. Auch während seiner Auslandsaufenthalte blickte er mehr als einmal über den Tellerrand der schwäbischen Beschaulichkeit.

1997 war es dann soweit, Rainer Schnaitmann kelterte seinen ersten eigenen Jahrgang, der zugleich erstmals unter eigenem Namen verkauft wurde. Schnaitmann, der von sich selber sagt, der halbtrockene Trollinger sei sein Schreckgespenst, hatte sich vorgenommen, seine eigene Stilistik in den Fellbacher Wein zu bringen. Zahlreiche Auszeichnungen über die Jahre bestätigen seine präzise Arbeit, die in mittlerweile zu einem der Vorreiter in Sachen The master himselfmodernen württembergischen Wein gemacht hat.Im Jahr 2006 wurde das Weingut Schnaitmann in den VdP aufgenommen, eine weitere Auszeichnung auf seinem steilen Weg nach oben. Seit 2008 bewirtschaftet Schnaitmann seine Reben biologisch, seit 2016 ist er dafür zertifiziert. Der biologische Anbau habe seinen Job nicht leichter, aber besser gemacht, sagt er ganz realistisch. Zwischen seinen Rebzeilen in der bekannten Lage des Fellbacher Lämmlers wachsen ganz ungeniert Gräser und Blumen, die durch die dadurch geförderte Bodenverbesserung die Schnaitmann'schen Reben schützen.

Der Fellbacher Lämmler ist eine Lage mit einer großen Bodenvielfalt. Ganz unten beginnt es mit Gipskeuper, darauf legt sich Schilfsandstein, bunter Mergel, grauer Kieselsandstein und zuletzt eine dicke Schicht Stubensandstein. Diese Vielfalt bringt Weine voller Charakter hervor, wenn man diesen denn auch gewähren lässt. Schnaitmann pflegt Weinberge am Fellbacher Goldberg, dem Uhlbacher Götzenberg und dem Rotenberger Schlossberg mit seiner imposanten Grabkapelle mit Blick ins Neckartal. Außerdem bewirtschaftet er einige Parzellen im Remstal bei Beutelsbach und Schnait, da hier das Hagelrisiko nicht so groß ist wie in den Fellbacher Gewannen.
Gerhard Eichelmann Deutschlands Weine 2022
*Rainer Schnaitmann vermarktete mit dem Jahrgang 1997 die ersten Weine unter dem eigenen Etikett. "Das war ein Aufruhr in Fellbach, als sich der Rainer selbständig machte", erinnert sich sein Vater noch heute. Davor hatte der Geisenheim-Absolvent Praktika in Neuseeland (Morton) und in Südtirol (Waldthaler) gemacht. Das Gros seiner Weinberge liegt im Fellbacher Lämmler, aber auch in benachbarten Lagen ist er vertreten, so in Uhlbach in Götzenberg, in Untertürkheim im Mönchberg oder in Schnait im Altenberg. Seine wichtigsten Rebsorten sind Riesling, Spätburgunder und Lemberger, dazu gibt es Schwarzriesling und Trollinger, aber auch internationale Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Sauvignon Blanc, sowie Spezialitäten wie Gewürztraminer und Muskattrollinger; auch einen Silvaner aus Schnait, einem einst für Silvaner bekannten Ort, hat Rainer Schnaitmann im Programm. Ausgesuchte Weine werden im Barrique ausgebaut und seit dem ersten Jahrgang unter dem Namen "Simonroth" verkauft, nach dem Namen der Lämmler-Teillage, in der Rainer Schnaitmann seine größte zusammenhängende Parzelle besitzt. Darüber stehen die Großen Gewächse aus dem Lämmler - Riesling, Spätburgunder, Lemberger - und dem Götzenberg (Riesling). 2011 wurde für reinsortige Weine aus Fellbacher und Stuttgarter Lagen die Bezeichnung Steinwiege eingeführt. Inzwischen werden die Weinberge biologisch bewirtschaftet, zertifiziert seit 2013, Rainer Schnaitmann ist aber bisher noch keinem Verband beigetreten. Schon in der ersten Ausgabe empfahlen wir die Weine von Rainer Schnaitmann - den damals noch niemand kannte, kein Wunder, hatte er doch erst zwei Jahre zuvor mit der Selbstvermarktung begonnen. Heute kennt man ihn nicht nur in Württemberg, sondern in ganz Deutschland. Jahr für Jahr konnte er die Qualität steigern, Jahr für Jahr haben uns seine Kollektionen besser gefallen. Dies gilt gleichermaßen für Weiß- wie für Rotweine.
Kollektion
Ein feiner Brut Nature-Sekt eröffnet den Reigen, er ist füllig, harmonisch und komplex, besitzt gute Struktur und Frische - und ist ein reinsortiger Pinot Meunier. Die Steinwiege-Weißweine zeigen hohes Einstiegsniveau. Der Riesling ist fruchtbetont, würzig, herrlich eindringlich, ist frisch, klar und zupackend, der Sauvignon Blanc zeigt feine Frische, ist angenehm zurückhaltend im Bouquet, ist geradlinig, besitzt feine Frucht und Grip. Der GrauWeiss besteht inzwischen hauptsächlich aus Chardonnay, aber auch Weißburgunder und Grauburgunder sind vertreten, er ist wie immer eine sichere Bank, zeigt feine Frucht, ist füllig und harmonisch, geradlinig und kraftvoll. Vom Grauburgunder gibt es ein Großes Gewächs aus dem Lämmler, der Wein zeigt gute Konzentration, reife Frucht, etwas florale Noten, ist klar, frisch, zupackend, besitzt feinen Grip. Sauvignon Blanc gibt es auch als rauchig-wilde, enorm würzige Réserve mit ausgeprägten Sponti-Noten, auch Stachelbeeren, ein strukturierter, herrlich eigenständiger und dominanter Sauvignon Blanc! Vom Riesling gibt es gleich drei super-spannende Weine. Das Große Gewächs vom Götzenberg zeigt gute Konzentration und Würze, viel reife Frucht, Kräuter, ist frisch, präzise, lebhaft, aber noch etwas verschlossen. Der Riesling vom Lämmler zeigt auch etwas Kräuter, Oregano, ein wenig Limone und gelbe Früchte im Hintergrund, ist druckvoll, zupackend, dezent mineralisch, jugendlich. Die beiden stammen aus dem Jahrgang 2019, und noch ein Jahr älter ist der Réserve-Riesling, der rauchige Noten zeigt, feine Würze, gute Konzentration, komplex und harmonisch im Mund ist, trotz reifer süßer Frucht leicht mineralisch und sehr nachhaltig. Auch der rote Steinwiege-Wein überzeugt, der Lemberger ist fruchtbetont, sehr reintönig, zupackend. Intensive Frucht zeigt auch der Trollinger von alten Reben, ist reintönig, kraftvoll und strukturiert. Es folgt ein Simonroth-Trio: Der Frühburgunder ist frisch, klar und zupackend, besitzt gute Struktur und Grip, der Spätburgunder ist recht offen, duftig, etwas floral, der MC ist konzentriert, intensiv, herrlich kraftvoll, frisch und lang. Dann folgen die beiden roten Großen Gewächse. Der Lemberger ist im Jahrgang 2019 sehr offen, zeigt viel reife Frucht, dunkle Früchte und Herzkirschen, ist füllig, saftig, besitzt kräftige Tannine - das muss sich noch zusammenfinden, der Wein besitzt enormes Potenzial! Auch der Spätburgunder ist noch jugendlich und unruhig, zeigt feine Würze und Duft, Frische und Säure dominieren derzeit im Mund - aber Rainer Schnaitmann´s Große Gewächse sind auch nicht für den schnellen Konsum bereit. *

Vinum Weinguide Deutschland 2022
*Rainer Schnaitmanns Weine sind mittlerweile von solcherart eigenständiger Persönlichkeit geprägt, dass man sie in Blindproben meist leicht erkennen kann. Gerade bei den Rieslingen wird dies besonders deutlich, wo der Fellbacher Spitzenwinzer mit langem Hefelager und bewusstem Verzicht auf allzu expressive Primärfrucht einen gewissen Naturweincharakter und dadurch ein markante, aber auch fordernde Tiefe in seine Abfüllungen gebracht hat. In großer Konsequenz konnte man das bei den 2018ern erschmecken. Die 2019er hingegen sind wiederum etwas zugänglicher, ohne aber diese Eigenständigkeit zu verlieren, und scheinen damit einen gelungenen Kompromiss gefunden zu haben. So ist der Götzenberg von einem rauchig-mineralischen Bukett geprägt und hat einen markanten Aufbau mit bebender Konzentration im Kern, ist an den Rändern jedoch fein geschliffen und mit charaktervollem Säurespiel belebt. Der Riesling Lämmler hat mehr Volumen und ist mit erdiger Komplexität am Gaumen eine aufrechte, selbstbewusste Persönlichkeit. Die zu Recht ebenso beliebte wie erfolgreiche Cuvée Grau.Weiss ist hingegen als angenehm dichter Wein, aber ohne allzu viel Alkohol, ein zeitloser Klassiker. Gleiches gilt für die Rotwein-Cuvée MC mit angenehm feinpflanzlicher Cabernet-Art im präsenten, aber feinkörnigen Tanninkleid. Ausdrucksvoll, ohne vorlaut zu sein und mit feiner Tiefe ausgestattet, ist der Sauvignon Steinwiege: Die Reserveabfüllung aus dem Jahrgang 2019 verbindet noble und komplexe Frucht mit mineralisch-feinem Rückgrat. Dass der schnaitmannsche Fingerprint auch vermeintlich "kleinen" Weinen eine zusätzliche Dimension verleihen kann, zeigt der Trollinger Alte-Reben exemplarisch: charaktervoll-würziger Duft, feingliedrig und leichtgewichtig am Gaumen, aber dennoch mit bemerkenswerter Präsenz und gewisser "wilder" Art - ein Wein, der eher an einen Poulsard aus dem Jura erinnert, als an den Brot-und-Butter-Trunk der Schwaben. Ebenso vermag der "kleine" Lemberger aus der Steinwiege-Linie mit seiner feinherben Frucht Charakter mit Zugänglichkeit zu verbinden. Das Große Gewächs vom Lemberger aus dem Lämmler ist hingegen wie gewohnt ein echter "Vin de Garde" aus der internationalen Spitzenklasse dieser Rebsorte. Wunderbar tiefe, dunkle Waldbeer- und Cassisfrucht sowie supersamtiges Tannin - so elegant und gleichzeitig charaktervoll kann Lemberger sein!
Württembergs Burgunderikone
Doch Schnaitmann unterstreicht natürlich auch wieder seinen Ruf als Burgunderikone Württembergs. So findet man einen vergleichbaren Frühburgunder nirgendwo sonst in der Region, die 2019er Version gefällt mit attraktivem, einladendem Bukett von hellroten Früchten, wobei der rebsortentypische zugängliche Charme durchaus mit Struktur unterfüttert ist. Der Spätburgunder Simonroth hat eine eigenwillige, aber wunderbar duftig aufgefächerte Frucht, tolle Balance und Delikatesse im Finish. Einmal mehr bester Spätburgunder des Anbaugebiets ist der fast schon ikonische Lämmler GG, bei dem sich ein Vergleich mit dem Burgund geradezu aufdrängt: Die komplexe, feinwürzige Frucht nach Pflaumen, Schlehen und Wildkirschen lässt an einen Corton denken, die wunderbar geschliffene, feine und balancierte Textur eher an einem Chambolle-Musigny! Dazu kommt die vitale Persönlichkeit eines echten Grand Crus im Kern. *

Falstaff Wein Guide Deutschland 2022
*In jüngeren Jahren saß Rainer Schnaitmann gerne auf dem Sattel seines Rennrades und peilte zielstrebig Distanzen und Ziele an, Steigungen und andere Beschwernisse ignorierend. Mit derselben Energie und Leidenschaft betreibt Rainer Schnaitmann Weinbau und bleibt dabei nicht stehen: Er scheint sich jedes Jahr stilistisch weiterzuentwickeln. Das Große Gewächs aus dem Götzenberg erinnert an die Loire und ist doch komplett Riesling, der Lemberger aus dem Lämmler erstaunt mit ungemein fleischigen Tanninen - die famose Kollektion eines Unermüdlichen.*

Falstaff Wein Guide Deutschland 2021
*Große Weine zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie extrem lässig daherkommen, ganz so, als hätten Natur und Winzer diese Brillanz aus dem Ärmel geschüttelt. Genau diese Lässigkeit strahlt das 2018er Spätburgunder GG aus dem Lämmler aus. Mit diesem Meisterwerk dürfte Rainer Schnaitmann endgültig auf dem deutschen Olymp angekommen sein. Auch die Großen Gewächse vom Riesling, im heißen 2018er Jahrgang komplett durchgegoren und mit teils nur 12,5 Volumenprozent Alkohol auf die Flasche gebracht, besitzen eine hohe Strahlkraft und ganz individuelle Noten. On top - nicht nur in Württemberg.*

Gault & Millau Weinguide Baden & Württemberg 2021
*Das Weingut von Rainer Schnaitmann hat eine besondere Geschichte. Erst 1997 unter eigenem Label gegründet und 2006 als damals jüngstes Weingut überhaupt mit den Weihen des VDP bedacht, kann Schnaitmann doch bereits auf eine 15 Generationen zurückreichende Weingeschichte blicken. Die ursprünglichen drei Hektar Weinberge, vom Vater gepachtet, sind inzwischen auf stattliche 27 Hektar angewachsen - und das in vielen kleinen Parzellen. Schnaitmann, Burgunder-Fan, hat auf etwa einem Viertel seiner Lagen Burgunder-Sorten, ergänzt um die württembergischen „Klassiker“ Trollinger und Riesling. Und ausgezeichneter Sauvignon Blanc würzt das Sortiment. Zum Glück ließ Schnaitmann die Hände auch nicht vom Lemberger, der ist bei ihm großartig. Bissig, fleischig, kraftvoll – und lagerfähig. Die Biozertifizierung kam 2015, das passt zur Weingutsphilosophie: „Weglassen. Zeit geben. Dem Bauchgefühl vertrauen.“ Und das war bei Rainer Schnaitmann wohl immer schon besonders gut ausgeprägt.*

Vinum Weinguide Deutschland 2020
*Wir werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass man gerade auch bei einem Starwinzer wie Rainer Schnaitmann stets einen besonderen Blick auf die kleineren Weine haben sollte. So sind auch diesmal die Weine der Steinwiege-Linie absolut empfehlenswerte Abfüllungen, die noch für unter zehn Euro zu haben sind, allen voran der Grauburgunder mit ausdrucksvoller Frucht und feinsaftiger Textur. Ähnlich im Stil, aber mit zusätzlicher Holzdimension, ist die gelungene Grau-Weiß-Assemblage. Bei den großen Rieslingen setzt der Fellbacher zunehmend auf langen Ausbau, was in besonders charaktervollen Gewächsen resultiert. Der Altenberg zeigt nun reife, dichte Saftigkeit und feste Persönlichkeit, das beeindruckende Große Gewächs aus dem Götzenberg ist ein selbstbewusstes Statement mit mineralisch durchwobener Dichte, etwas offener und fruchtiger aufgefächert ist der Lämmler. Doch auch der sehr gute Grauburgunder mit seidiger Eleganz und Tiefe um einen brillanten Kern reiht sich nahtlos in die Riege der wirklich gelungenen Großen Gewächse ein. Spätburgunder wiederum Gebietsspitze Wie nicht anders zu erwarten, sind die Spätburgunder wiederum absolute Gebietsspitze. Schon der Simonroth ist ein betörend feiner und verführerischer Zweitwein (was für eine Untertreibung!), das überragende Große Gewächs ist dicht verwoben und doch auch markant belebt sowie mit beeindruckendem Finish ausgestattet: ein echter Grand Cru, auf dessen Entwicklung es sich zu warten lohnt. Nicht lange warten braucht man hingegen beim Frühburgunder mit subtil kräutrig unterlegter, ungemein charmanter Kirschfrucht. Hervorragende Tanninqualität und schöne Frische zeichnen den Simonroth Lemberger aus, in sich ruhende, aristokratische Größe mit selbstbewusster Persönlichkeit und Struktur das Große Gewächs aus dem Lämmler. Mit großem Aromavolumen, aber keinesfalls dick am Gaumen und mit subtiler Frische im Finish ist Schnaitmann aber auch mit der Gewürztraminer-Beerenauslese ein Coup gelungen.* Gault & Millau Weinguide Deutschland 2020 *Wenn man Rainer Schnaitmann in Action erlebt, versteht man schnell, dass er binnen gut 20 Jahren ein absolutes Vorzeigeweingut geschaffen hat. Er strotzt regelrecht vor positiver Energie, setzt sofort jeden Gedanken in die Tat um und hat sein Blick zumeist nach vorn gerichtet. Währenddessen kümmert sich seine Frau Petra darum, dass im Betrieb auch alles reibungslos läuft. Aus den anfänglich drei Hektar Rebanlagen, die Rainer´s Vater verpachtet hatte – das war 1997 - sind mittlerweile stolze 27 Hektar geworden. Für einigen Aufwand sorgt die Tatsache, dass sich die Reben über rund 168 Parzellen verteilen. Allerdings hat Schnaitmann dadurch wiederum die Möglichkeit, seine Ideen auch mit kleinen Gebinden umzusetzen. Besonders stolz ist er derzeit auf den Erwerb von einem Hektar Terrassenweinbau, auch wenn der einen noch viel größeren Aufwand verlangt. Den scheut der energiegeladene Weinmacher jedoch nicht. Schon 2010 fing er an, sein Weingut auf ökologischen Weinbau umzustellen; 2015 kam dann die offizielle Zertifizierung. Die Weine werden seither auch komplett spontan vergoren, um ihnen noch mehr Charakter zu verleihen. Ein Patentrezept gibt es bei Rainer Schnaitmann aber nicht. Stillstand ist Rückschritt. Schon vor zehn Jahren arbeitet er daran, den Spätburgunder mit Ganztraubenpressung und experimentellem Holzeinsatz auszubauen. Nun geht der Trend immer mehr u größeren und auch älteren Fässern. Seine Toplagen bezeichnet Schnaitmann als „Festsaal für die Reben“. Allerdings hatte er zu Beginn seiner Karriere auch andere Erfahrungen gemacht. Am 5. Juni 2000 zerstörte ein Hagelunwetter sämtliche Fellbacher Weinberge. Aus heutiger Sicht hatte die Katastrophe auch ihr Gutes: Auf der Suche nach Ersatz wurde Schnaitmann im Remstal fündig. Der Jahrgang gelang, und in der Folge versuchte er, meist mit Erfolg, die besten Lagen im Betrieb zu behalten. So entstand der zweite große Schwerpunkt seines Weinbaus: in Schnait, Beutelsbach und Strümpfelbach im Remstal. 2006 wurde Schnaitmann in den VDP aufgenommen - damals als jüngstes Weingut. Dank kühlerer Lage in seinem Portfolio findet Pinot Noir, die Diva unter den Rotweinreben, ideale Bedingungen. Der 2017er Fellbacher Lämmler Spätburgunder Großes Gewächs gehört fraglos zu den besten Pinots Noirs in Deutschland. Er funkelt in tiefem Kirschrot und benötigt viel Sauerstoff, um sich zu öffnen. Dann jedoch kommen reife Feigen, Thymian und viel Mineralität, vor allem am Gaumen - ein Wein mit riesigem Potenzial. Schon vor gut zehn Jahren hatte Rainer Schnaitmann großartige Pinots gezaubert, wie man es damals für Württemberg kaum für möglich hielt. Aber natürlich kann Rainer Schnaitmann Lemberger so richtig gut. Der Wein aus seiner Toplage, der 2017er Fellbacher Lämmler, leuchtet in tiefdunklem Rot und duftet verführerisch nach Himbeerbonbons, Pralinen, Kokos und Veilchen. Am Gaumen wird er noch floraler, wie ein Strauß Rosen, und bleibt lange im Nachhall. Auch der 2018er Trollinger Alte Reben trocken macht sozusagen Appetit aufs Trinken. Diesen Trollinger gibt es seit 2007, und seit jeher wird er ohne Schwefel ausgebaut. Man glaubt es nicht, dass dieser Wein ohne Schwefel keinerlei Oxidation aufweist. Der in Kirschrot leuchtende Rotwein animiert mit seiner enormen Fruchtigkeit, die an rote Früchte und Marzipan denken lässt. Tolle Säure verleiht ihm Saftigkeit. Ideale Bedingungen für die Rotweine bietet der wirklich sehr sehenswerte Barriquekeller. Dort kann Schnaitmann mit Gravitation arbeiten. Immer wieder kommen Kollegen vorbei, um den Keller in Augenschien zu nehmen.*

Falstaff Wein Guide Deutschland 2020
*Rainer Schnaitmann scheint sich jedes Jahr neu zu erfinden, Routine und Wiederholungen will der umtriebige Winzer wohl nicht einreißen lassen. Sein Großes Gewächs vom Riesling aus dem Uhlbacher Götzenberg kann jedenfalls exemplarisch für Schnaitmanns Experimentierdrang stehen: Sein phenolischer Eintrag tastet sich an die Grenze des noch Möglichen ran, es ist ein eigenwilliger und auch beeindruckender Charakterwein. Auch das kantige und trotzdem charmante Grauburgunder-GG trotzt mutig den Klischees, die dieser Rebsorte anhängen. Die Rotweine stehen auf gewohnt hohem Niveau!*

Gerhard Eichelmann Deutschlands Weine 2020
*Rainer Schnaitmann vermarktete mit dem Jahrgang 1997 die ersten Weine unter dem eigenen Etikett. „Das war ein Aufruhr in Fellbach, als sich der Rainer selbständig machte“, erinnert sich sein Vater noch heute. Davor hatte der Geisenheim-Absolvent Praktika in Neuseeland (Morton) und in Südtirol (Waldthaler) gemacht. Das Gros seiner Weinberge liegt im Fellbacher Lämmler, aber auch in benachbarten Lagen ist er vertreten, so in Uhlbach im Götzenberg, in Untertürkheim im Mönchberg oder in Schnait im Altenberg. Seine wichtigsten Rebsorten sind Riesling, Spätburgunder und Lemberger, dazu gibt es Schwarzriesling und Trollinger, aber auch internationale Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Sauvignon Blanc, sowie Spezialitäten wie Gewürztraminer und Muskattrollinger; auch einen Silvaner aus Schnait, einem einst für Silvaner bekannten Ort, hat Rainer Schnaitmann im Programm. Ausgesuchte Weine werden im Barrique ausgebaut und seit dem ersten Jahrgang unter dem Namen „Simonroth“ verkauft, nach dem Namen der Lämmler-Teillage, in der Rainer Schnaitmann seine größte zusammenhängende Parzelle besitzt. Darüber stehen die Großen Gewächse aus dem Lämmler - Riesling, Spätburgunder, Lemberger - und dem Götzenberg (Riesling). 2011 wurde für reinsortige Weine aus Fellbacher und Stuttgarter Lagen die Bezeichnung Steinwiege eingeführt. Inzwischen werden die Weinberge biologisch bewirtschaftet, zertifiziert seit 2013, Rainer Schnaitmann ist aber bisher noch keinem Verband beigetreten. Schon in der ersten Ausgabe empfahlen wir die Weine von Rainer Schnait¬mann – den damals noch niemand kannte, kein Wunder, hatte er doch erst zwei Jahre zuvor mit der Selbstvermarktung begonnen. Heute kennt man ihn nicht nur in Württemberg, sondern in ganz Deutschland. Jahr für Jahr konnte er die Qualität steigern, Jahr für Jahr haben uns seine Kollektionen besser gefallen. Dies gilt gleichermaßen für Weiß- wie für Rotweine.
Kollektion
Rainer Schnaitmanns Kollektion ist besser denn je. Der Steinwiege-Weißbur¬gunder ist wunderschön reintönig, lebhaft und fruchtbetont, die Grau.Weiss-Cuvée besitzt Fülle und Grip, reife Frucht und gute Struktur. Der Riesling aus Schnait besitzt rauchige Noten, viel Frische und Grip, sein Fellbacher Kollege ist fülliger und kraftvoller, besitzt reife Frucht, gute Struktur und Frische. Der Sauvignon Blanc Ifflinger ist kraftvoll und kompakt, stoffig und hat Substanz. Der Erste Lage-Riesling vom Beutelsbacher Altenberg zeigt rauchig-würzige Noten, besitzt Fülle und Kraft, reife Frucht, viel Druck und Länge. Das Große Gewächs aus dem Götzenberg ist würzig und eindringlich, konzentriert und klar, herrlich druckvoll und komplex, präzise, mit mineralisch-bitteren Noten im Abgang, ein Wein mit viel Potenzial. Ganz faszinierend ist auch der Grauburgunder, zeigt reintönige Frucht im Bouquet, feine Frische, gelbe Früchte, ist wunderschön reintönig und harmonisch im Mund, geradlinig und lang, komplex und nachhaltig - aufgrund der kräftigen Säure wurde er recht kontrovers diskutiert bei unserer Grauburgunder-Schlussverkostung. Die Gewürztraminer Beerenauslese besitzt viel reife Frucht, feinen Rosenduft, ist sehr reintönig und konzentriert. Der Muskattrollinger Rosé besitzt eindringliche Muskatnoten und viel Frische, der Steinwiege-Lemberger ist reintönig, lebhaft und zupackend. Der Trollinger von alten Reben ist reintönig, herrlich intensiv, besitzt gute Struktur und Grip. Der Spätburgunder von jungen Reben ist fruchtbetont, reintönig, zupackend, der im vergangenen Jahr allzu lebhafte 2016er präsentiert sich heute voller Harmonie. Auch der 2016er Simonroth D hat im letzten Jahr zugelegt, der 2017er besitzt gute Struktur, Frucht und Grip. Der Simonroth-Frühburgunder ist faszinierend reintönig und intensiv, der Simonroth-Spätburgunder ist komplex und frisch, faszinierend reintönig. Der Lemberger Großes Gewächs aus dem Lämmler zeigt im Jahrgang 2017 viel Frucht und viel Intensität im Bouquet, Sauerkirschen, besitzt herrlich viel Frucht und Frische im Mund, ist strukturiert, reintönig und druckvoll, auch 2015 präsentiert sich in prächtiger Form. Noch großartiger aber finden wir den Spätburgunder aus dem Lämmler, einer der großen Spätburgunder des Jahrgangs 2017 in Deutschland: Reintönig, intensiv, kraftvoll, elegant, viel Substanz, Länge und Nachhall. Tolle Kollektion!*

Gegründet: 1997
bewirtschaftete Fläche: 24,1 Hektar
Auszeichnungen: VdP
Kellermeister: Fabian Lassak
Besitzer: Rainer Schnaitmann
Webseite: www.weingut-schnaitmann.de
Anschrift: Unterrtürkheimer Straße 4, DE 70734 Fellbach

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