• Beschreibung Anbaugebiet: Sizilien

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    SIZILIEN Sizilien, Land der Zitronen und Orangen; das ist nicht alles! Italienreisende sind sich vielleicht mit Goethe einig: "Hier liegt der Schlüssel zu Allem!", rief er 1787 schwärmerisch aus. ... Weiterlesen

    Sizilien SIZILIEN
    Sizilien, Land der Zitronen und Orangen; das ist nicht alles! Italienreisende sind sich vielleicht mit Goethe einig: "Hier liegt der Schlüssel zu Allem!", rief er 1787 schwärmerisch aus. Nach alter Sage ruht die Insel auf drei Pfeilern, tief im Meer verankert: dem griechischen, dem arabischen und dem römischen Pfeiler. Betritt man die Insel, fühlt man auch heute noch eine unausgesprochene Eigenständigkeit, die sich als Stolz ausdrückt. DAS KULTURELLE ERBE
    Jeder Aspekt des täglichen Lebens weist auf eine Fülle mannigfaltiger Einflüsse. Von der Sprache, den Sitten, der Kunst im Großen und Kleinen bis hin zu den teils erdverbundenen und lebensfrohen Genüssen der Küche. Es liegt neben der geografischen Lage auch am Blut, das in den Adern der Bevölkerung fließt. Auch heute noch ist es weniger italienisch als phönizisch, griechisch, arabisch, normannisch, spanisch oder französisch. Diese Mischung äußert sich manchmal exotisch, aber meist stolz und schnell entflammbar.
    WEINBAU
    Als im übrigen Europa noch Chaos und dichte Wälder vorherrschten, stand Sizilien schon in kultureller Blüte. Es hat daher eine äußerst lange Weinbaukultur, die selbst unter arabischer Herrschaft nicht unterbrochen wurde. Die Araber unterwiesen die Einwohner nicht nur in der Kunst des Destillierens.
    Wein wird demnach in allen 9 Provinzen kultiviert, sofern es die Bodenstruktur zulässt. Trotz der isolierten Lage als Insel blieb Sizilien nicht von der Reblaus verschont. Eine ähnliche, wenn auch nicht so verheerende Wirkung wie die Reblaus wurde durch die EU-Rodungsprämien und dem Verkauf von Pflanzrechten an das Festland ausgelöst. Speziell in den Bergen, wo bei mühevollerer Arbeit Wein angebaut wurde, wurden Tausende von Hektaren gerodet, bevor man sich so richtig klar darüber war, dass bei dieser Hitze nur in Höhenlagen wirklicher Qualitätswein wächst. Dank dieser Erkenntnis und Handelns einiger kapitalkräftiger Familien beginnt nun auch das Kapital vom Festland und Ausland, sich für Siziliens brachliegenden Hang- und Berglagen zu interessieren.

    Alle Provinzen sind nach deren Hauptstädten benannt.
    Das AGRIGENTO mit 3042 qkm Fläche und etwa 500 Tsd. Einwohnern liegt etwa in der Mitte der südlichen Küstenregion, dehnt sich bis in Richtung Marsala nach Westen aus und beschließt nach Osten hin die Region mit der Hauptstadt Agrigent. Es werden überwiegend weiße Rebsorten angebaut, die den Tafelweinbereich bedienen und den Wein für alle Tage stellen. Trebbiano, Catarratto, Inzolia (Ansonica), Vernaccia, Grecanico-Dorato, Grillo Damaschino di Menfi, Corallo-Bianco.
    TRAPANI bildet im äußersten Westen den Schlußpunkt der Hauptinsel, wobei zur Provinz noch die Ägadischen Inseln gehören. 2462 qkm ist sie groß und zählt etwa knappe 500 000. Einwohner. Auffallendste Erscheinung neben den endlosen Weinflächen sind für unser Auge die riesigen Salinenfelder vor den Toren der Hauptstadt Trapani. Mehr noch als Trapani, die nur etwa 3 Meter über dem Meer. liegt, zählt Marsala zu den berühmtesten Weinbaustädten. Im 18. Jahrhundert entwickelte ein Engländer, namens Woodhouse den Marsala. Er war damals auf der Suche nach einem preiswerteren Sherry-Ersatz, als er eines Tages einen der Hitze ausgesetzten Wein vorgesetzt bekam. Da er den Madeira und seine Machart bereits kannte war eine Nachahmung nicht sonderlich schwer. Es ist ein aufgespritteter Wein, der hauptsächlich aus den Rebsorten Grillo und zu einem kleinen Teil Catarrato gekeltert wird. Die Erzeugnisse tragen die Qualitätsbezeichnungen Fine, Superiore,-Vergine oder Vergine-Stravecchio, wobei letzterer meist mit dem Jahrgang versehen wird. Von den guten Tagesweinen hat es der Bianco di Alcamo zu Ehren gebracht. Diese DOC von etwa 20 000 ha liegt inmitten der größten Weinbauzone der Insel mit rund 50 000 ha. Hier wird die Hälfte der Weinproduktion ganz Siziliens geleistet, meist weiße Traubensorten, die vornehmlich für die Herstellung von Marsala und als Traubenkonzentrat die Weine in aller Welt aufbessern. Die Stadt selbst wurde von den Karthagern gegründet (Lilybayon), von den Arabern bekam sie dann den Namen "Mars-al-Allah" (Hafen Gottes), vom Wein den kommerziellen und von Garibaldi den patriotischen Ruhm. Zur Provinz Trapani gehört auch die Insel Pantelleria. Sie ist für den überaus köstlichen Moscato bekannt, den es als zart aufgespritteten und als Passito (nachgetrocknet) gibt.
    PALERMO, Hauptstadt mit etwa einer Dreiviertel Million Einwohner und Provinz mit 5016 qkm. Die Hauptstadt ist der Motor der Insel, Wirtschaftszentrum und überaus reich an Kunst und Kultur. Die ideale Lage an der Nordküste an einem Naturhafen, abgeschirmt durch ein Gebirge im Hinterland und reiches Ackerland im Umfeld haben schon Karthager, Griechen und Araber angezogen. Da das Umland in der Vergangenheit nicht durch große Weine glänzte, wird gerade hier innovativ mit modernen Rebsorten oder neuen Vinifikationsmethoden gearbeitet.
    MESSINA mit 3247 qkm im Nordosten ist nur durch die etwa 3 km breite Meerenge vom Festland getrennt. Die Staatsregierung unter Berlusconi hat nun den Ehrgeiz, trotz den beiden tektonischen Platten, die sich hier reiben, eine Autobahnbrücke über die Meerenge zu bauen. Der schöne Naturhafen begünstigte die Entstehung der gleichnamigen Hauptstadt, die von mehreren schwersten Erd- und Seebeben und vom Bombardement 1943 stark gezeichnet wurde. Nichtsdestotrotz ist es eine Stadt voller Leben. Die Architektur hat noch normanische Elemente und ist nach den Wiederaufbauten mehr barock und südlich modern. Obwohl an den Ausläufern der Monti Peloritani sicherlich Qualitätsweinanbau möglich wäre, gibt es als nennenswerten Wein nur den Faro, einen leichten Rotwein aus hauptsächlich Nerello Mascalese und Nerello Cappucio. Ein Schauspiel in dieser Gegend ist die enorme Gezeitenströmung und -änderung von etwa 10 km/h. Durch den erhöhten Sauerstoffgehalt gibt es Unmengen von Plankton und Fischen. Andererseits ist diese Meerenge für die Schiffahrt sehr gefährlich. Homers Sage berichtete schon von dem Meerungeheuer Skylla, das die Schiffe zu sich zog.
    Die Äolischen oder Liparischen Inseln nordwestlich von Messina gehören zur Einflusszone diese Bereiches. Es sind dies Vulcano, Lipari, Salina, Fileudi und Stromboli. Erstere sind im Besonderen für die ausgezeichneten Kapern und für den excellenten Malvasia di Lipari bekannt. Der Pionier in der Süßweinbereitung auf der Insel Salina, Carlo Hauner, war es, der seit Anfang der Achtziger Jahre aus den Sorten Malvasia, Zibbibo (Muskat of Alexandria) und der Corinto Nero Aufsehen erregende Weine keltert. Die trockenen, vulkangeprägten Weine haben nur lokale Bedeutung.
    Zu allen Inseln gibt es Fährverbindungen. Mit dem Auto können Sie aber nur nach Vulcano und Lipari fahren.
    CATANIA liegt in der Mitte an der östlichen Küste, hat 3552 qkm und zieht sich landeinwärts bis zum Ätna und südlich bis Richtung Ragusa. Insgesamt leben ca. 1 Mio. Menschen im Schatten des Ätna. Das Umland des gewaltigen Vulkans schafft beste Voraussetzungen für Obst und Weinbau. Trotzdem gibt es außer Etna Rosso und Bianco keine nennenswerten hochklassige Weine.
    SIRACUSA mit 2109 qkm schliesst sich an und reicht bis zur Südspitze der östlichen Insel. Es leben nur ca. 500 000 Einwohner in der Provinz. Die geschichtsträchtigste und einst mächtigste Stadt war auch lange Zeit die größte Stadt des griechischen Imperiums. Die vorgelagerte, 40 ha große Halbinsel Ortigia hat nur einen schmalen Streifen zum Festland, war gut zu verteidigen und besitzt eine außerordentlich ergiebige Süßwasserquelle. Griechische, normannische und spanische Elemente sind noch zahlreich in der Baukunst zu bewundern. Moscato di Siracusa und Moscato di Noto sind die herausragenden Weine dieser Provinz. Sicherlich ist die Stadt Avola auch der Namensgeber der Rebsorte Nero d'Avola (Calabrese), die als autochtone Rebsorte reinsortig und in vielen Cuvees gute bis sehr gute Ergebnisse zeigt. Die Fähigkeit dieser roten Traubensorte auch bei extremen Temperaturen ein schönes Bukett zu zaubern hängt von der Eigenschaft ab, sehr schnell Früchte mit hohen Zuckerstoffen zu bilden und die physiologische Reife vor dem Eintrocknen zu beenden. Im südlichsten Zipfel zwischen Noto und Pachino, einem Gebiet mit der höchsten Lichtintensität Italiens liegt die beste Zone für diese ursprüngliche Sorte.
    RAGUSA schließt sich im Südwesten an die vorige Provinz an. Sie ist die kleinste mit 1614 qkm und nur etwa 300 000 Einwohnern. Aufschwung erlebt die Provinz in neuerer Zeit durch Asphaltabbau und Erdölförderung. Auch diese Stadt wurde vom Erdbeben im Jahre 1693 fast total zerstört und trägt nach dem Wiederaufbau barocke Züge mit Ausnahme der Oberstadt, die modernere, italienische Züge aufweist. Herausragender Wein ist der Cerasuolo di Vittoria aus den roten, lokalen Sorten Nero d´Avola und Frappato. Beide Rebsorten ergänzen sich hervorragend und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Es ist also tatsächlich ein Rotwein und nicht ein Rosé wie die anderen Cerasuolo vom Festland. Vor etwa drei Jahren haben sich die besten Winzer unter Cos, Planeta, Valle dell´Acate und Avide zusammengetan und die DOCG beantragt und ab 2007 erhalten. Damit ist sie die erste Denominazione mit „Garantita“.
    ENNA im Zentrum der Insel mit 2562 qkm und nur 200 000 Einwohnern ist bergiges Land. Die Hauptstadt hieß schon unter den Griechen so und bekam erst in neuerer Zeit im Jahre 1927 wieder diesen Namen. Der Torre Federico erinnert in seiner Form dem Castel del Monte und ist mit Sicherheit ein Bauwerk Friedrichs des II. Nach dem griechischen Mythos wurde in der Nähe von Enna Persephone von Hades geraubt und in die Unterwelt entführt. Nur ein halbwegs guter Rot- und Weisswein, der Tucano wird hier erzeugt. Die Produktion ist immer noch bescheiden.

    DER ÄTNA UND SEINE BEDEUTUNG FÜR DIE LANDWIRTSCHAFT
    Der Ätna oder Mongibello, wie er im Volksmund heißt, strahlt von weiter Ferne eine massige Erhabenheit aus, unübersehbar schön mit seiner fast steten Rauchfahne. Mit einem Durchmesser von 40 km, einem Radius von 150 km, einer 150 qkm großen Landmasse ist er eine wahrlich imposante Naturerscheinung. Seit dem Altquartiär hat er sich durch ungezählte Ausbrüche auf derzeit 3369 Meter aufgebaut. Sein Nabel liegt auf einer von Nord nach Süd verlaufenden, tektonischen Bruchlinie.
    "DER ÄTNA NIMMT UND GIBT"
    Seit den Griechen wird an den Hängen Obst und Wein angebaut, denn sie haben früh den Wert des verwitterten Lavagesteins erkannt. Im Tuff und im porösen Lavagestein versickern die Niederschläge und treten als Quellen im mittleren und unteren Bereich hervor. Der mineralhaltige Boden ist sehr fruchtbar und kann somit auch in Höhen bewässert werden. Die fast ringförmig gestaffelten Anbauzonen erlauben bis in Höhen von 1000 Metern den Anbau von Wein, Zitrusfrüchten, Öl- Pistazien- und Obstbäumen, von denen die Ätnabirnen, die Tarocco-Blutorangen und das Olivenöl wegen ihres unvergleichlichen Aromas berühmt sind. Auch Eßkastanien wachsen noch in dieser Höhe, während Roßkastanien und Steineichen sich bis zu 1500 m.ü.M. wohlfühlen. Leider nehmen die Steineichen immer mehr ab.
    Ab ca. 1500 Metern bis hinauf zur Baumgrenze in 1900 m. stehen Buchen und erstaunlicherweise Birken, die ja bekanntlich viel Wasser beanspruchen. Die Buschzone reicht bis in eine Höhe von 2500 m., dann beginnt der kahle Teil. Er ist mehr als 6 Monate im Jahr von Schnee bedeckt.
    Die Tierwelt beschränkt sich auf Hasen, Füchse, Marder und Stachelschweine. Zahlreiche Vögel bevölkern die Baumzone und eine seltene Spechtart gibt es. Kurioserweise wurden Marienkäfer noch in einer Höhe von 3300 Metern unter Steinen entdeckt. Aber von was die kleinen Raubinsekten leben, das ist mir unbekannt.







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